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Kaffee aus alternativem Handel
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Kaffee statt Coca Drucken
Die Internationale Drogenpolitik kontrolliert den legalen Drogenanbau und verfolgt den illegalen. Außerdem wird Entwicklungshilfe eingesetzt, um den Anbau legaler Nutzpflanzen zu fördern. Wie unser Fallbeispiel zeigt, gibt es eine relativ enge Verbindung zwischen Fairem Kaffeehandel und solchen Entwicklungsprogrammen. Deshalb müssen sich alternative Kaffeehändler wie wir mit der Frage beschäftigen, wie solche Programme einzuordnen sind. Leisten wir mit unserem Handel einen Beitrag zu einer „alternativen“ oder „nachhaltigen“ „Entwicklung“ oder geben wir repressiven Maßnahmen gegen die Landbevölkerung eine Rechtfertigung?

Betrachten wir die entsprechende deutsche Entwicklungspolitik anhand ihrer Selbstdarstellung.
Seit 1994 versucht die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), die staatliche Entwicklungshilfeorganisation, Campesinos in Peru, Bolivien und Kolumbien davon zu überzeugen, dass es erhebliche Vorteile für sie hat, vom Anbau von Kokasträuchern und Schlafmohn auf den biologischen Anbau von Kaffee und anderen legal vermarktbaren Agrarprodukten umzusteigen. Dazu wurden die Kleinbauern geschult, Erzeugergemeinschaften gebildet, eine lokale Qualitätsprüfung und Zertifizierung eingerichtet und die Vermarktung unterstützt. Die GTZ gab sich dabei ganz offen: Beratung und Unterstützung seien nicht an den Verzicht auf Drogenanbau gebunden. In Kolumbien und Peru fand dieses Programm unter erschwerten Bedingungen statt, weil die Projekte in von der Guerilla kontrollierten Gebieten liegen; neben einer Kooperation mit der Regierung war also auch zumindest die Duldung durch die Rebellen nötig. Der biologische Kaffee wird in Deutschland über GEPA und El Puente vermarktet. Auch der Großröster Jacobs war mit einem Qualitätsverbesserungsprogramm in Peru beteiligt.Image
Was haben die Projekte nun gebracht. Die GTZ analysiert ihre Projekte im Jahr 2001 (Drogen und Entwicklung in Lateinamerika) und bewertet insbesondere das Bio-Kaffeeprogramm als grundsätzlich erfolgreich (S. 42). Allerdings hat es bereits zu dieser Zeit Rückschläge dadurch gegeben, dass sich die Spannungen in Kolumbien durch den Plan Colombia verschärfte und die Guerillas der Entwicklungshilfe zunehmend misstrauten. Außerdem führten Besprühaktionen, die die Kokafelder vernichten sollten, zu erheblichen Schäden in Projektgemeinden. Die Aktionen wurden offensichtlich ohne jede Rücksicht auf die Bevölkerung durchgeführt: Statt in 10 bis 15 m gezielt die kleinen Felder zu besprühen, verteilten die Flugzeuge ihr Gift in 100 – 500 m großflächig.

Die GTZ distanziert sich generell von dieser Politik:
„Die Hauptimpulse für die weltweite Dro­genpolitik gehen seit vielen Jahren von den Vereinigten Staaten aus. Die USA postu­lierten im letzten Jahrzehnt in verschärf­ter Form einen „Krieg gegen die Drogen“ („war on drugs“). Der US-Ansatz richtet sich hauptsächlich gegen den Anbau illega­ler Drogenpflanzen; wichtigste Maßnahme dabei ist eine radikale Vernichtung der Ern­ten. Insbesondere in den Koka-Anbaulän­dern Lateinamerikas setzten die USA diese Form der Drogenkontrolle durch – mit teils verheerenden Folgen: Die stark repressiv und militärisch ausgerichtete Drogenpolitik verschärfte bestehende Konflikte und ge­waltsame Auseinandersetzungen weiter.

Sie setzt sich auch von der UN-Politik ab:
„Die Vereinten Na­tionen, vertreten durch das Drogenkont­rollprogramm des UNODC, verfolgen das weitergehende politische Ziel, das Drogen­problem weltweit gänzlich zu beseitigen. Die UN-Position verbindet deshalb nicht nur die Reduzierung des Anbaus über die direkte Substitution von Drogenpflanzen durch legale Alternativen mit der Errichtung von Infrastruktur. Sie rechtfertigt auch den Einsatz repressiver Mittel und die Vernich­tung von Beständen.“ 

Das ist insofern bemerkenswert, als die BRD einer der Hauptgeldgeber des UNODC ist.Image
Deutschland spielt damit ein Doppelspiel: Auf internationaler Ebene wird nicht gegen die von der USA dominierte repressive Antidrogenpolitik aufgemuckt, bei den eigenen Programmen bemüht man sich dagegen um Distanz.
Was heißt das für unsere Ausgangsfrage?
Die Landbevölkerung braucht Unterstützung, die ihr die Chance zur Selbstbestimmung lässt. Das sind in erster Linie Grund und Boden, Wissen über umweltverträgliche Anbaumethoden und Unterstützung beim Aufbau von Vermarktungsstrukturen. Letztere sollten sich in erste Linie auf den Nahbereich beziehen. Wenn ein Teil der Produktion für den Weltmarkt gedacht ist, sollten sie auch den Export – möglichst über den Fairen Handel – umfassen. Zu den Produkten können auch Kokablätter für legale Verwendungen gehören.
Es ist egal, ob diese Unterstützung aus dem Anlass „Alternative zum Drogenanbau“ gegeben wird, solange die Teilnahme freiwillig ist und nicht mit der Vernichtung der Ernte und Schlimmerem gedroht wird. Die Landbevölkerung in aktuellen oder potentiellen Drogenanbaugebieten erhält Unterstützung, die es in einer anderen, aus internationaler Sicht weniger „bedrohlichen“ Gegend nicht gegeben hätte.

Wir lehnen alle Programme ab, die Unterstützung mit Drohung oder Zwang kombinieren, und natürlich erst recht gewaltsame Aktionen wie Giftbesprühungen oder anderes. Neben den Drogenkranken sind die Bauern in den Anbauländern die schwächsten Glieder in der Produktions- und Verbrauchskette. Gewalt und Zwang gegen sie lösen keine Drogenprobleme.