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Kolumbien steht wie kaum ein anderes Land im Fokus der Weltöffentlichkeit, wenn es um das Thema „Krieg gegen Drogen“ geht. Die Eskalation des Konfliktes zwischen den Drogenkartellen, die in der Jagd auf Pablo Escobar gipfelte, lief praktisch live im Fernsehen. Auch die punktuell erscheinenden Meldungen über Verstrickungen von Amtsträgern in Drogengeschäfte passen zum Bild eines Landes, das fest im Griff der Drogenmafia steckt. Mit diesem Bild der kolumbianischen Gesellschaft werden dann eine Militarisierung legitimiert. Dazu gehören Militärhilfen, Militärberater, Auslieferungen von Drogenhändlern und sogenannten „Narcoterroristen“ sowie die Besprühung ganzer Regionen mit Herbiziden.
Bei genauerem Hinsehen hat dieser Krieg aber eher mit den sozialen Auseinandersetzungen und wirtschaftlichen Interessen zu tun. Drei Faktoren spielen eine wichtige Rolle: die geostrategische Lage, der Ressourcenreichtum und der historische Konflikt innerhalb der kolumbianischen Gesellschaft. Kolumbien ist seit der Republikgründung formal demokratisch. Es gibt zwei Parteien, die sich an der Macht abwechseln, aber die politische Auseinandersetzung war immer sehr gewaltsam. Praktisch herrscht seit 1949 Bürgerkrieg. 
In den 60er 70er Jahren bildeten sich Guerillaorganisationen aus unterschiedlichen Kontexten. Die größte von ihnen, die FARC, trat Anfang der 80er in einen Friedensprozess ein, aus dem sich die legale politische Partei UP und ein breiteres politisches Umfeld bildete. Dagegen formierten sich Bündnisse aus Politikern der politischen Parteien, Großgrundbesitzer, Industriellen, Militärs und Drogen-Bossen, die diese Bewegungen vernichten wollten. Paramilitärische Gruppen wurden gebildet, die erst fast alle öffentlich auftretenden Mitglieder der UP umbrachten und danach viele Massaker an Menschen aus den sozialen Bewegungen verübten. Außerdem wurde in den Gebieten der Guerilla eine Politik der verbrannten Erde entwickelt. Massenerschießungen an der ländlichen Bevölkerung sollten eine Landflucht aus diesen Gebieten auslösen.
Diese Paramilitärs wurden von den Militärs unterstützt und von den Drogenkartellen mit finanziert.
Mit dem Ende des Ost-West-Konfliktes brauchten die USA anstelle des Antikommunismus ein neues Feindbild, um Interventionsbestrebungen in Lateinamerika zu legitimieren.
Da kamen die angeblichen oder tatsächlichen Verbindungen der Guerilla zum Drogenhandel gerade recht. Während sich die ELN – die zweite bedeutende, ebenfalls linksgerichtete Guerilla - aus politischen Gründen vom Kokaanbau fernhält, mischt die FARC tatsächlich mit. Sie besteuert die Drogenhändler, garantiert den Kokabauern feste Preise, schützt die Kleinbauern vor der Willkür der Kokainhersteller und unterhält auch eigene Pflanzungen. Mit diesem Engagement finanziert die FARC ihre militärischen Einheiten. So ausgerüstet konnte sie ihren Kampf in einen Stellungskrieg ausweiten.
Der Krieg gegen die Drogen wurde zum neuen Vorwand, um Militärhilfen und andere Formen der Einmischung durchzusetzen. Dieser Krieg wurde allerdings mehr gegen die Guerilla als gegen die mit der Drogenmafia verstrickten Paramilitärs geführt. Der Drogenhandel wurde nicht bekämpft, sondern sicherheitspolitisch funktionalisiert.
Die Krise der kolumbianischen Gesellschaft hat sich in den 90ern zugespitzt.
- Das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Samper wegen seiner Verbindungen zur Drogenmafia verdeutlichte die Verstrickung des Establishments in die Drogenökonomie.
- Die FARC war in einen Bewegungskrieg übergegangen, zog größere Verbände zusammen und vernichtete etliche Elite-Verbände der kolumbianischen Armee.
- Trotz des hohen Repressionsniveaus sowohl von Seiten der offiziellen Sicherheitskräfte, als auch der Paramilitärs, kommt es zu einem Erstarken der sozialen Bewegungen mit breiten Widerstandsformen.
Die Regierung Pastrana nahm Friedensverhandlungen mit der FARC auf, die von einer weiteren Eskalation des schmutzigen Krieges begleitet wurden. Gleichzeitig begann die neoliberale Offensive mit einer weiteren Marktliberalisierung, die die lokale Wirtschaft zusammenbrechen ließ.
Zur Finanzierung dieses Modernisierungsprojektes wird 1999 der Plan Colombia aus der Taufe gehoben. Der Plan hat ein Volumen von 7,5 Milliarden US$ und verfolgt angeblich 3 Ziele:
- Friedensprozess
- Öffnung der Wirtschaft für internationales Kapital
- Antidrogenpolitik mit mehr militärischen Mitteln.
Es zeigt sich, dass der Plan Columbia keine Wirkung auf den Drogenhandel, aber eine vernichtende Wirkung auf Kokabauern und Zivilbevölkerung hat. Die Herbizideinsätze im Rahmen des Planes haben große Regionen verseucht. Die Gesundheit der Bewohner ist geschädigt, Hunderttausende sind vertrieben worden.
Der von den USA als Antidrogenkampf finanzierte Plan Colombia ist ein Aufstandbekämpfungsplan. Gerade vor dem Hintergrund der Verhandlungen über das panamerikanische Freihandelsabkommen (ALCA) soll ein günstiges Investitionsklima geschaffen werden. Da stören Guerillas, die den Ölexport verhindern. Also wird in den Gebieten der Guerilla der Regenwald und Plantagen entlaubt, um die Bevölkerung zur Flucht zu treiben. Gleichzeitig wird der Militär- und Repressionsapparat weiter ausgebaut, damit die Vertriebenen sich nicht organisieren. Nach dem 11.9.2001 wendet sich wieder der Sprachgebrauch des US State Department: Die Narco-Guerilla heißt jetzt Narco-Terrorist-Alliance. Aufstandsbekämpfung braucht jetzt nicht mehr als Drogenkrieg versteckt zu werden, sondern ist jetzt offiziell als „War on Terrorism“ deklarierbar. |