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Die weltweite Drogenpolitik scheint nicht nur weitgehend erfolglos zu sein, sie richtet offenbar auch noch jede Menge Schaden an. Was können Gründe sein, trotzdem an ihr festzuhalten?
Illegalen Drogen gegenüber wird seit Jahrzehnten ein repressiver und prohibitionistischer Ansatz verfolgt. Die Ursprünge internationaler Drogenpolitik gehen dabei auf das Wirken christlicher Abstinenzler Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, die einen "reinen Geist in einem gesunden Körper" forderten. Richtete sich diese Lehre, die von Angst vor Kontrollverlust und vor Lust geprägt ist, zunächst gegen Alkohol, weitete sie sich Ende des 19. Jahrhunderts auf Opium aus. Heute sind die Abstinenzler wieder eine kleine Minderheit, geblieben ist eine Ideologie, für die Drogen eine Bedrohung der Menschheit darstellen, die daher bekämpft und illegalisiert werden müssen. Ausgenommen sind die legalen Drogen Alkohol und Nikotin. Diese Ideologie bestimmt die Politik. Sie lässt sich nicht durch die Tatsachen beeindrucken, dass fast 100mal mehr Menschen an legalen Drogen sterben und die Illegalisierung offensichtlich erfolglos ist.
Das hat natürlich auch etwas mit Interessen zu tun. Auf der Gewinnerseite sitzen viele: Die Drogenhändler, die legalen Firmen, die an der Geldwäsche verdienen, die Sicherheitskräfte, denen nie die Beschäftigung und die Legitimation ausgeht, die Sicherheits- und Waffenindustrie, die beide Seiten beliefert, die Geheimdienste, die gerne mal ein dunkles Geschäft mit Drogengeld oder –händlern drehen, die Chemiehändler, die Rohstoffe für den Verarbeitungsprozess liefern, die Politiker, die mit harter Hand auf Stimmenfang gehen und dabei gleich noch ein paar Bürgerrechte kassieren, die Landwirtschaft in Ländern wie Spanien und Australien, die Drogen für medizinische Zwecke anbauen dürfen, während dies z.B. Afghanistan verwehrt wird. Auf der Verliererseite finden sich dagegen recht viel Schwache: Drogenkonsumenten, die schlechten Stoff teuer kaufen müssen, Bäuerinnen und Bauern in Anbauländern, die illegalisiert und geschädigt werden, Kranke, denen Cannabis und Koka schnell und einfach helfen würden. Für das gesamte Thema haben wir natürliche keine Patenlösung, aber die Bilanz der bisherigen Politik ist so verheerend, dass als Alternative eine kontrollierte Legalität harter Drogen erprobt werden sollte.
Zum Weiterlesen eine Artikelserie von Lorenz Matzat im ak:
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