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Kaffee aus alternativem Handel
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Nach den Wahlen ist vor den Wahlen Drucken

Am 25. Februar 1990 gewann die Parteienallianz U.N.O., die von der extremen Rechten bis hin zu Liberalen und Kommunisten reichte, die Parlamentswahlen in Nicaragua.

Damit wurde die FSLN als stärkste Partei in die Opposition geschickt. Die BürgerInnen des Landes waren müde und mürbe geworden. Der US-finanzierte Contrakrieg und das Wirtschaftsembargo hatten die Menschen erschöpft. Dass vielleicht auch Fehler der FSLN-Führung die Bevölkerung enttäuscht auf die Revolution verzichten ließ, wurde erst im Laufe der Jahre zu einem Thema in der Solibewegung.

1990 trieb die revolutionären Kaffeehändler eine andere Sorge um: konnte der Handel mit Nicaragua weitergeführt werden, und wenn ja – wie?

Während andere Gruppen mit den verlorenen Wahlen aufhörten, entschieden wir uns für ein Weitermachen. Uns hat das Kaffeehandeln angefangen Spaß zu machen und wir sahen noch viele Möglichkeiten Solidarität mit Handel zu verbinden. Wir mussten uns umorientieren und vor allem das Wie und Mit Wem klären.

Handelspartner war bisher die staatliche Exportfirma ENCAFE gewesen. Würde diese Firma unter der neuen Regierung noch mit den linken Soligruppen zusammenarbeiten? Würde das Exportmonopol fallen, und wäre damit die Möglichkeit gegeben, den Kaffee direkt von den Kooperativen zu kaufen? Wie sollte der Mehrpreis verwendet werden? Bei den Sitzungen der MITKA rauchten die Köpfe. Vom Einstellen des Handels bis hin zum Direktimport von den Kooperativen war alles vorstellbar.Image

Klarheit in die Diskussionen brachte die Reise einer MITKA Vertreterin nach Nicaragua: Der Direktor von ENCAFE, der nach der Wahl nicht ausgewechselt wurde oder aus eigenem Antrieb die Kaffeesäcke hingeschmissen hatte, sicherte eine Zusammenarbeit mit der MITKA auch für das Jahr 1991 zu. Auch die Spendenzahlung, die an die  Landarbeitergewerkschaft ATC ging, konnte über ENCAFE abgewickelt werden.

Später fiel dann das Exportmonopol und die MITKA konnte ihren Kaffee direkt von den Kooperativen beziehen. Dass die Handelsbeziehungen von selbstverwaltetem Kollektiv zu selbstverwaltetem Kollektiv auch nicht einfach sind, zeigte unsere Erfahrung mit dem Kaffeetal.

Und noch später gewann die FSLN mit dem berüchtigten Daniel Ortega an der Spitze wieder die Wahlen in Nicaragua – nur diesmal träumt niemand mehr von großen Veränderungen!