Die verschiedenen teils existentiellen Krisen blieben auch für die Struktur el rojitos nicht folgenlos.
In den ersten 10 Jahren ist die Arbeit bei el rojito größtenteils ehrenamtlich geleistet worden. Wir waren jung und brauchten wenig zum Leben außer revolutionärer Debatten. Mit der Zeit wurden aber Studien beendet und Kleinfamilien gegründet. So floss mehr Zeit in den Aufbau bürgerlicher Existenzen als in das Kollektiv Am wirtschaftlichen Projekt el rojitos hing zu viel dran, als dass es als Hobby betrieben werden konnte. So wurden Stellen geschaffen, die den Handelsbereich professioneller weiter entwickeln sollten. Die Arbeit bei el rojito wurde so für einige auch zum Beruf. Buchhaltung wurde gelernt und Arbeitsabläufe wurden definiert. Jetzt sehen wir manchmal Kennzahlen und können uns auch im konventionellen Wiederverkaufsbereich bewegen. So hat sich der Charakter der Gruppe ziemlich verändert. Anfangs verstanden wir uns als eine Art Kollektiv. Die Arbeit wurde gemeinschaftlich geleistet. Privat lief viel zusammen. Gemeinsame WG’s und Vernetzung mit anderen Zusammenhängen der „Szene“ in Hamburg waren Teil unseres Lebens in el rojito. Die verschiedenen Schrumpfungsprozesse dieser Szene spiegelten sich auch bei uns wieder. Das Einschlafen der Soliszene, „Antipatriarchats“kämpfe aber auch WG-Zwiste ließen jedes Mal die Gruppe kleiner werden. Einige dieser Trennungsprozesse liefen sehr unschön ab und gingen an die Substanz der Gruppe. Die Verbindlichkeit des Handels hat es aber immer wieder verhindert, dass wir uns auflösten. Wir haben intensiver nach Lösungen gesucht und nicht gleich das Handtuch geschmissen. Es kamen auch immer wieder Einzelne hinzu, die sich durch die gewachsenen Strukturen durchgebissen haben. Heute ist von den Gründungsmitgliedern keiner mehr dabei. Inzwischen haben wir diese Strukturen etwas mehr geöffnet, so dass der Zugang für neue Mitglieder leichter geworden ist. |