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Aktuelles |
Im Shop gibt es wieder eine Extrapfundaktion. |
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Besondere Umstände erfordern besondere Kaffees |
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Produktentwicklung als Ergebnis von Geschmack und
Geschichte
Bei uns gibt es inzwischen eine
ganze Menge verschiedener
Kaffeesorten. Sie unterscheiden
sich in der Röstung, z.T. in der Mischung
und in der Verpackung. Jede
Neueinführung hatte ihre Gründe und
war natürlich mit jeder Menge Diskussionen
verbunden. Daher kann man
an den Sorten auch Entwicklungen
ablesen: eine Entwicklung in den Handelsbeziehungen
und eine fortlaufende
(Neu)Orientierung auf tatsächliche und
mögliche Kundinnen und Kunden.
Sandino Dröhnung
ursprünglich und revolutionär
Im ersten Artikel beschreiben wir, wie
alles anfing. Kurz gesagt: Sandino Dröhnung
als Solidarität mit der Revolution
in Nicaragua. Damals (um 1987) gab
es eine lebendige Nicaragua-Solidaritätsbewegung,
die quasi von selbst zum
Kunden wurde. Die Qualität spielte keine
große Rolle, wichtiger war, in Name
und Verpackung auszudrücken, dass
der Kaffee etwas ganz anderes war, und
das möglichst auch noch provokant und
witzig: „Dröhnung“ statt „Krönung“!
Im Laufe der Zeit kamen weitere Kaffees
dazu und wir bekamen die Qualitätsprobleme
durch bessere Zusammenarbeit
mit ProduzentInnen und
Röstern in den Griff.
Sandino Suave
die milde Alternative
Die Dröhnung ist ein kräftiger Kaffee,
den manche einfach nicht mögen, trotz
revolutionärer Gesinnung. Auch wenn
er inzwischen qualitativ hochwertig ist,
ist er wegen seiner langen Röstdauer
vielen zu stark. Weil inzwischen deutlich
wurde, dass sich über den Kaffeeverkauf
etwas bewegen lässt – Information,
Geld, Initiative – wurde ab 1988 auch
eine Mildere Röstung des gleichen Kaffees
angeboten. Später (1994) folgte
dann aus den gleichen Überlegungen
der in einem speziellen Verfahren entsäuerte
Sandino Simpático.
Sandino Espresso
Protest und Genuss
1988 brachten wir auch unseren ersten
Espresso heraus. Einerseits kam
man in der Soliszene langsam auf den
Geschmack und es gab eine Nachfrage,
andererseits lässt sich besonders am
Espresso zeigen, dass die Konzerne die
Gewinne einstreichen.
Sandino Orgánico
der lange Weg zum Bio-Anbau
In Nicaragua wurde gegen Ende des
Contrakrieges und nach der „Wende“
aus purer Not ohne chemische Spritzmittel
und Dünger gearbeitet. Bis zur biologischen
Landwirtschaft ist es jedoch
noch ein weiter Weg, weil dazu das Wissen
gehört, wie diese Hilfsmittel durch
natürlichen Anbau überflüssig gemacht
werden können. Dazu kommt die nötige
Zertifizierung, um die Produkte international
vermarkten zu können. Auf diesen
mühsamen Weg machten sich 1990
eine Reihe von Kooperativen im Zusammenschluss
ECOCONIC. Wir haben die
Kooperativen aktiv unterstützt, waren
ihre ersten Handelspartner und haben
auch mit als erste biologischen Kaffee
auf dem deutschen Markt angeboten.
Bio-Anbau finden wir sowieso gut und
er nützt den ProduzentInnen und ihrer
Umwelt am meisten; außerdem passte
das Produkt auch sehr gut in den sich
hier entwickelnden Bio-Markt. In Bio-
Läden konnten wir uns allerdings nicht
dauerhaft durchsetzen. Dort nahmen
etablierte Biomarken auch Kaffees in ihr
Angebot auf, die weder politisch noch
fair gehandelt sind.
Seit Mitte der neunziger Jahre verwenden
wir für neue Sorten nur noch biologisch
angebauten Kaffee.
Der Zusammenschluss ECOCONIC ist
zwischenzeitlich zerfallen, aber unsere
drei Handelspartner in Nicaragua bieten
alle auch Bio-Kaffee an.
La Cortadora
Kaffee aus El Salvador
Neben den Sandino-
Sorten kam schon ab
1992 der La Cortadora
in unser Programm. Das Produkt ist das Ergebnis
einer bis heute andauernden
Kooperation mit der Kaffeekampagne
El Salvador. Sie entstammt
der El Salvador-Solidarität und hat damit
vergleichbare Wurzeln wie wir. Wir vermarkten
den Kaffee, den Einkauf macht
die MITKA und der Kontakt mit den ProduzentInnen
wird von der Kaffeekampagne
wahrgenommen. Auch bei den
Sorten hat sich eine vergleichbare Differenzierung
ergeben, die inzwischen bis
zu koffeinfreiem Espresso geht.
Anfang dieses Jahrtausends wurde
deutlich, dass unser Kaffeehandel so
wie bis dahin gepflegt nicht mehr lange
weiter laufen kann. Die Umsätze im
Versand waren ständig leicht rückläufig
und der Verkauf in Hamburg war auf
einem Tiefpunkt angekommen. Da wir
mit unserer Arbeit weiter machen wollen,
haben wir eine Reihe von Projekten
entwickelt, um den Umsatz wieder anzuheben
und möglichst auch unsere
inhaltliche Arbeit zu stärken.
Der Hamburger Fairmaster
Frischer Wind für die Hamburger Eine-Welt-Szene
In Hamburg gab
es bis 2003 keinen
richtigen „Stadt-Kaffee“.
Stadt-Kaffees
folgen dem klassischen
Ansatz der
Eine-Welt-Arbeit,
über Produkte Inhalte
zu vermitteln.
Die Besonderheit
ist, dass lokale
Bezüge hergestellt
werden. Mit
dem Fairmaster
machen wir auf
die einzige Städtepartnerschaft
Hamburgs mit einer Stadt aus der
„3. Welt“ aufmerksam: Leon in Nicaragua. Die Spende im Preis des Fairmasters wird für ein vom hiesigen
Städtepartnerschaftsverein unterstütztes
Projekt eingesetzt. Die Bezeichnung des
Kaffees („Fairmaster“) spielt auf das
hier bekannte Volkslied „Hamburger
Veermaster“ an. Ergänzend zum Kaffee
werden Informations- und Bildungsmaterialien
angeboten. Das ganze Projekt
wurde von einem breiten Zusammenschluss
von Eine-Welt-Gruppen und
gemeinsam mit der GEPA entwickelt.
Was den verwendeten Kaffee angeht,
setzten wir hierbei zum ersten mal
dauerhaft auf eine Mischung von Nicaragua-
Kaffee mit Kaffees aus anderen
Ländern Lateinamerikas – dadurch soll
der Geschmack „abgerundeter“ sein.
Flor de Café
Ein Espresso, an dem alles stimmt
Parallel haben wir auch noch einen zweiten Weg eingeschlagen. Der Flor
de Café ist der erste
Ansatz gewesen,
den traditionellen
Kundenkreis zu verlassen
und diejenigen
anzusprechen,
die hauptsächlich
auf einen sehr guten
Geschmack wert legen – und dafür bereit sind, auch etwas
mehr zu bezahlen. Wir können damit
gleichzeitig die Stammkunden halten,
die dem Trend zu anspruchsvollen Espressos
folgen wollen, denn natürlich
verwenden wir auch für diese Sorte biologisch
angebauten und fair gehandelten
Kaffee.
Die Biologo-Reihe
alternativ gehandelter Kaffee für den Supermarkt
Wenn wir neue
Käufer finden
wollen,
muss der
Kaffee da stehen,
wo viele Leute
Kaffee suchen
– also auch im
Supermarkt. Das
ist eine konsequente
Schlussfolgerung
aus
unserer Entscheidung,
weiter im Kaffeehandel
arbeiten zu wollen.
Mit dieser
Zielrichtung haben wir die Biologo-Reihe
entwickelt und bringen sie jetzt auch
in Hamburger Supermärkte. Das ist mit
einigem Aufwand verbunden, aber es
funktioniert.
Die Geschichte unserer Produkte zeigt
unsere Geschichte als „politische Händler“.
Für uns ist Kaffee vom Nebenprodukt
einer politischen Bewegung zu
einem Handelsgut in einer umkämpften
Nische des Kaffeemarktes geworden.
Die Geschichte kann als Erfolgsgeschichte
gesehen werden: solidarischer
Handel funktioniert immer noch. Sie
kann aber auch als Geschichte von
Veränderungen gesehen werden, bei
denen alte Prinzipien aufweichen und
Vertriebswege benutzt werden, die wir
früher abgelehnt hätten.
Welche Bilanz wir ziehen und welche
Perspektive sich daraus für die Zukunft
entwickeln lässt, wollen wir mit möglichst
vielen von euch im Herbst diskutieren.
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