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Aktuelles |
Für die aktuelle Vorfinanzierung der Importe brauchen wir mal wieder Geld. |
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Interview mit Heberto Rivas |
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Geschäftsführer des Kooperativenverbandes UCPCO (Union de Cooperativas
Productoras de Cafe Organico)
Weil zu einer Bestandsaufnahme des Fairen Handels die Perspektive der
ProduzentInnen gehört, haben wir Heberto Rivas eingeladen. Er ist
Geschäftsführer des Kooperativenverbandes UCPCO (Union de Cooperativas
Productoras de Cafe Organico). Von diesem Verband beziehen wir einen
Teil unseres Bio-Kaffees. Der Import erfolgt wie bei allen unseren
Kaffees über die MITKA (Mittelamerika Kaffee Im- und Export GmbH). Die
MITKA ist ein Zusammenschluss mehrerer alternativer
Kaffeehandelsgruppen. Heberto wurde von Magnus Kersting interviewt.
Würdest du dich, deine Kooperative und deine Funktion dort kurz vorstellen? Ich bin Heberto Rivas, Geschäftsführer von UCPCO, einem Kooperativenverband in San Juan de Río Coco in Nicaragua. Gleichzeitig bin ich auch ein kleiner Produzent von biologischem Kaffee und ich bin seit mehr als sieben Jahren Mitglied unserer Kooperative. Meine ganze Familie hat für die Entwicklung und die Organisation unserer Kooperative gearbeitet. Ich gehöre zur Kooperative „Pablo Velasquez“ in der Gemeinde Casa de Piedras. UCPCO übernimmt für seine Mitglieder nicht nur den Export, sondern auch die Weiterverabeitung. Der Kaffee wird vom Lager, in das die Produzenten den Kaffee abliefern zu unserer Trockenverarbeitungsanlage in Los Lirios gebracht. Dort wird er getrocknet, gesäubert, aussortiert und verpackt. Danach geht der Kaffee direkt in den Export – nach Deutschland und in die USA.
Ihr seid Handelspartner mehrerer Fair-Handels-Gesellschaften, welche sind das? In Europa, genauer gesagt in Deutschland, arbeiten wir mit zwei Kunden zusammen: MITKA und GEPA. Wie Ihr wisst, hat sich die MITKA aus 8 kleinen Händlergruppen gebildet; ihr Sitz ist in Berlin. Die GEPA sitzt in Wuppertal. Mit beiden haben wir seit mehr als 10 Jahren sehr gute Beziehungen.
Welche Rolle spielt die Qualität des Kaffees für euch? Für uns ist die Qualität ganz, ganz wichtig, weil wir uns in einem besonderen Marktsegment befinden, in dem die Kunden für eine gute Qualität bezahlen. Deswegen testen wir die verschiedenen Kaffees unserer Mitglieder und wir wissen ziemlich genau, welche Qualität jedes unserer Mitglieder produziert. Und danach können wir entscheiden, wohin unsere einzelnen Kaffees gehen. Auf diese Weise bekommen wir keine Reklamationen von unseren Kunden.
Wie seht ihr die Beziehung zu euren Partnern im Fairen Handel? Diese Beziehung besteht schon seit vielen Jahren und ich glaube, dass es eine fruchtbare Beziehung ist, weil sie dazu beigetragen hat, dass es unserer Kooperative in diesem Moment gut geht. Unsere Partner haben uns dadurch unterstützt, dass sie unseren Kaffee zu guten Preisen gekauft haben, das hat dazu beigetragen, dass sich die Kooperative vergrößern und eine solide Struktur entwickeln konnte. Und wir haben die Möglichkeit bekommen verschiedene gute Sachen für unsere Leute zu machen. Ich glaube, dass die Beziehung zu Hamburg, zu el rojito und der MITKA heute am besten ist, weil wir nicht nur eine Handelsbeziehung, sondern auch eine Freundschaftsbeziehung haben. Dabei vergessen wir nicht, dass wir guten Kaffee liefern wollen, damit die Menschen in Hamburg einen guten Kaffee von hoher Qualität zu Hause oder im Café von el rojito in Altona trinken können. Und diese Arbeit haben wir schon über 10 Jahre gemacht, deshalb glaube ich, dass es eine fruchtbare Beziehung ist.
Was bedeutet der Faire Handel für euch? Für uns ist es eine gute Möglichkeit, eine Möglichkeit der Armut zu entfliehen. Wir können als Mitglieder der Kooperative etwas für unsere Leute machen. Und es gibt diese direkte Wechselwirkung: Irgendjemand geht in ein Café um einen Kaffee zu trinken, einen Kaffee, der sehr gut schmeckt und das ist für uns Produzenten ein großes Geschenk. Das ist ein Beispiel, wie wir den Gesetzen des freien Marktes entfliehen können, weil die Beteiligten im gerechten Handel die Qualität unseres Produktes anerkennen, was wiederum zur Verbesserung der Lebensqualität unserer Leute führt und darum geht es uns.
Wie setzt Ihr die höheren Erlöse ein, die Ihr durch den Fairen Handel erzielt? Wir machen alles mit der Zustimmung der Generalversammlung: einen Teil des Preises, den wir aus dem fairen bzw. alternativen Handel bekommen, zahlen wir direkt an die Basiskooperativen aus. Diese geben das Geld für soziale Projekte in ihren Gemeinden aus.
Welche Auswirkungen hat der Faire Handel ansonsten auf die Bäuerinnen und Bauern und die Gemeinden? Der Vorteil liegt für uns klar auf der Hand, weil wir durch den gerechten Handel etwas mehr Geld an unsere Leute bezahlen können. Hier in Nicaragua gibt es einen Mindestlohn, aber mit dem gerechten Handel können wir unseren Arbeitern mehr als den Mindestlohn auszahlen. So können wir die Arbeit unserer Leute anerkennen, weil andererseits unser Produkt auch durch den Preis anerkannt wird. Wir sind sozusagen ein Glied in einer Kette. Das hat Auswirkungen auf die vier Lebensmittelgeschäfte in der Gemeinde, deren Umsatz sich auch gesteigert hat, weil die Arbeiter alle vierzehn Tage, wenn sie ihren Lohn bekommen, dort hin gehen zum Einkaufen. Das Resultat ist auch deswegen gut, weil es mehr Beschäftigung gibt und die Leute nicht gezwungen sind, woanders nach Arbeit zu suchen. Wir sehen, dass es schon mehr Stabilität auf dem Land gibt, die Leute versuchen nicht mehr in die großen Städte abzuwandern, dadurch dass bessere Preise für den Kaffee erzielt werden können, wollen sie lieber mehr in ihre Fincas investieren. Das ist heute ein neues Phänomen, das sind neue Einflüsse in unserer Gemeinde. Das Positive am Zusammenschluss in einer Kooperative ist, dass wir gemeinsam mehr Stärke haben. Es ist ein Unterschied, ob ein kleiner Produzent alleine in den Bergen vor sich hin arbeitet oder ob dieser kleine Produzent Mitglied einer Kooperative ist, weil die Kooperative ihn bei der Teilnahme am Markt unterstützt. Sie muss transparent sein, der Produzent weiß dann, wohin sein Produkt geht, und das gibt den Menschen Selbstbewusstsein und Stärke. Ich glaube, dass die Transparenz die Stärke ausmacht. Da ist nicht mehr nur ein einfacher Produzent, ein anonymes Glied in einer transnationalen Kette, sondern ein Unterstützer eines speziellen Marktes, eines Marktes, der die Qualität anerkennt, und das ist eine große Verbesserung für uns.
In UCPCO sind Biobauern zusammengeschlossen. Wie beeinflusst der biologische Kaffeeanbau die Umwelt? Der Einfluss im unmittelbaren Umfeld ist derart, dass wir nicht nur versuchen, die Qualität zu verbessern, sondern wir verstehen uns auch als Hüter der Wälder. Ein Kaffeeproduzent baut nicht nur Kaffeepflanzen an, er muss noch andere Pflanzen anbauen. Er passt auf, dass er das Wasser nicht verschmutzt, und so trägt er dazu bei, den Planeten zu erhalten, er trägt dazu bei, dass wir auch in Zukunft noch eine saubere Umwelt haben. Wir tragen ein bisschen dazu bei, dass die Verschmutzung der Erde, die auf das Konto der großen Industrienationen geht, ein wenig abgemildert wird. So geben wir unser Sandkorn zum Erhalt der Erde bei. In Deutschland gibt es eine Diskussion darüber, ob fair gehandelte Produkte auch von Ladenketten verkauft werden sollten, die ihre Angestellten schlecht behandeln und gewöhnlich ihre Lieferanten auspressen.
Sollte euer Kaffee in solchen Läden verkauft werden? Diese Frage ist etwas schwierig. Wir glauben, wenn ein Produkt, das nach den Regeln des Fairen Handels produziert wurde, in einer Ladenkette verkauft wird, wo die Angestellten schlecht behandelt werden, dann ist die gemeinsame Kette, von der wir alle ein Glied sind, zerbrochen. Ich glaube, dass dieses Produkt dann nicht mehr ein Produkt des Fairen Handels ist. Aber es ist auch wichtig, Kaffee aus dem Fairen Handel im Supermarkt zu verkaufen. Für uns als Produzenten bedeutet es einen größeren Umsatz. Hier für Fairness und Gerechtigkeit zu sorgen, ist eine Arbeit, die die Leute in Deutschland machen müssen. Sie müssen sicherstellen, dass die Supermärkte ein sauberes Image haben und dass sie ihre Angestellten nicht schlecht behandeln. Denn in den Supermarkt kommen viele Leute und wir sind darauf angewiesen unser Produkt zu verkaufen. Mehr Kaffee zu verkaufen bedeutet für uns, dass wir mehr Entwicklungsmöglichkeiten haben. Wie man die Supermarktketten identifiziert, die ein gutes Image haben, ist eure Arbeit. Dann können wir dort unsere Produkte platzieren, so verkaufen wir mehr und alle gewinnen dadurch.
Herzlichen Dank für deinen Beitrag! Zum Schluss möchte ich mich bedanken: bei allen, die eine so gute und spannende Rundreise mit vielen Veranstaltungen mitgetragen haben, und ganz besonders bei den Leuten von el rojito, die die Rundreise und die Tagung organisiert haben. |
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