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Kaffee aus alternativem Handel
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Kurzreferat Anne Löwisch, MITKA GmbH Drucken
Anne Löwisch ist Geschäftsführerin der MITKA GmbH. MITKA steht für Mittelamerika Kaffee Im- und Export. Kernaussagen werden z.T. zitiert. Zunächst schilderte Anne Löwisch die Struktur der MITKA, die von großen und kleinen, ehrenamtlich
und professionell arbeitenden Gruppen getragen wird, die die gemeinsamen Wurzeln in der Nicaragua-Solidarität verbinden. Auch der politische und inhaltliche Anspruch der einzelnen Gruppen ist unterschiedlich, so dass sich
der politische Anspruch der MITKA selbst heute vorwiegend in der Auswahl der Handelspartner und in dem Bemühen, die Handelsbeziehungen anders zu gestalten, zeige.
„In der Verbindung mit den KaffeeproduzentInnen hat es früher einige Ernüchterungen und Krisen gegeben. Die Beziehungen zu den heutigen Handelspartnern sind nun schon über viele Jahre gewachsen. Das gegenseitige Verständnis ist recht gut, es ist im Laufe der Jahre deutlich besser geworden. Durch regelmäßige Besuche vor Ort und durch einen freien Mitarbeiter, der uns bei Bedarf in Nicaragua vertreten und beraten kann, haben wir eine ganz gute Vorstellung davon, was los ist, und können viel per Augenmaß entscheiden. Dadurch können wir es uns leisten, auch mit ProduzentInnen zu handeln, die ungefestigt oder unerfahren sind, nicht die typischen Strukturen haben und nicht unbedingt im FLO-Register stehen.
Die MITKA gehört übrigens nicht zu FLO, ist aber auch nicht unabhängig von FLO, da der FLO-Preis ein Maßstab ist, an dem wir auch gemessen werden, und viele unserer ProduzentInnen im FLO-Register sind.“
„Die Konkurrenz durch Konzerne, also zum Beispiel durch Lidl-Kaffee, ist erstmal unmittelbar nicht gegeben, da die MITKA-Gruppen eine andere Kundschaft haben. Nichtsdestotrotz wird sich das aber natürlich schon irgendwann auswirken.“
Anne Löwisch sieht drei Herausforderungen, denen sich ihr Unternehmen in den nächsten Jahren stellen muss:

1. „Jetzt müssen wir uns wieder dringend mehr auf die Aspekte neben dem Preis konzentrieren und diese dann auch hervorheben, sowohl hier als auch unseren Handelspartnern gegenüber. Damit meine ich Aspekte wie Transparenz auf beiden Seiten, direkter Handel ohne Zwischenhändler, direkter Kontakt mit ProduzentInnen, Beratung, Interesse an den Menschen – in der Kooperative UCPCO hat das kürzlich jemand so ausgedrückt: Die anderen zahlen zur Zeit vielleicht die besseren Preise, aber die Kooperative sieht uns Kaffeeproduzenten als Menschen, nicht als Geschäft.“
„Natürlich ist es gut, wenn mehr ProduzentInnen bessere Preise für ihren Kaffee bekommen. Allerdings sollten wir klar darstellen können, warum fair gehandelter Starbucks-Kaffee eine positive Sache ist, aber el rojito-Kaffee eine bessere Sache, bzw. warum Biokaffee sinnvoll, aber unser Biokaffee für die ProduzentInnen besser ist. Wir vom politisch motivierten Handel müssen uns also vom marktorientierten Fairen Handel, der das TransFair oder andere Siegel für seine Image-Zwecke nutzt, qualitativ ganz deutlich abheben. Das muss sowohl für die ProduzentInnen als auch nach außen hin sichtbar sein.
Ob wir uns irgendwann auch davon abgrenzen müssen, hängt davon ab, in welche Richtung FLO mit dem Siegel geht: ob große Konzerne mehr Gewicht bekommen werden als reine Fairhandelsunternehmen, ob von den Konzernen
beispielsweise der stetige Ausbau ihres FT-Volumens gefordert wird, ob sie die Durchsetzung eines höheren Mindestpreises für Kaffee verhindern können, wie der Umgang mit den ProduzentInnen, die ja sehr unzufrieden mit FLO sind, sich entwickelt etc. FLO steht da an einem Scheideweg.“

2. „Die derzeitige Marktsituation stellt eine große Herausforderung dar. Sie betrifft konkret den Kaffeehandel mit Mittelamerika, also den der MITKA, und hat damit zu tun, dass einerseits der derzeitige Weltmarktpreis relativ hoch und andererseits die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Bio-Kaffee, wie er dort angebaut wird, sehr stark ist und die Preise, die dafür gezahlt werden, noch über dem Weltmarktpreis liegen.“
„Das führt zu einer Umkehrung der gewohnten Situation: wir sind in dieser Zeit mehr auf unsere Handelspartner angewiesen als diese auf uns. Einige von ihnen könnten ihre Ernte jetzt sogar zu besseren Preisen oder zumindest zu einfacheren Bedingungen außerhalb des Fairen Handels verkaufen. Solidarität ist zurzeit keine Einbahnstraße mehr, die Abhängigkeiten haben sich verschoben.
Jetzt stehen wir vor der konkreten Herausforderung, gemeinsam mit unseren Handelspartnern eine Lösung dafür zu finden, dass das Preismodell der MITKA (das wie das FLO-Modell einen Mindestpreis hat, dessen Anstieg an den Weltmarktpreis an der New Yorker Börse gekoppelt ist) nicht mehr taugt, weil die Preise für die Qualität, wie wir sie beziehen, zunehmend außerhalb der Börse bestimmt werden. Hochwertiger Kaffee, sog. Gourmetkaffee, fällt aus dem
üblichen Muster heraus.
Gerade in dieser Situation bietet sich die Chance herauszufinden, ob die Idee der anderen Handelsbeziehungen
trägt. Es müssen praxistaugliche alternative Arbeitsweisen und beiden Seiten gerecht werdende Lösungen gefunden werden.“

3. „Bei der letzten Herausforderung geht es darum unsere Pionierrolle beizubehalten. Die MITKA hatte, wie auch andere aus der Bewegung kommende Importeure eine Pionierrolle inne, d.h. sie hat in Nicaragua diverse Organisationsversuche
unterstützt, eine einheimische Biozertifizierungsorganisation mitaufgebaut etc. und ist dabei nebenbei gesagt auch in einige Fettnäpfchen getappt. Möglich war diese Pionierrolle übrigens nur, weil die Solidaritätsbewegung die Fehler mitgetragen
hat.“ „Die Herausforderung liegt nun darin, es dabei nicht stehen zu lassen und die bisher etablierten Standards nicht nur einzuhalten, sondern sie zu verbessern, immer weiter nach neuen Wegen zu suchen.“