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Workshop „Perspektiven der Solidaritätsarbeit – und was das mit Handel zu tun hat“ Drucken
Der Workshop war mit etwa 20 Personen gut besucht. Die TeilnehmerInnen kamen zum Teil vom Informationsbüro Nicaragua, es waren aber auch viele Aktive aus Weltläden dabei.
Die Diskussion begann sehr grundsätzlich mit der Frage nach dem Solidaritätsbegriff. Die Meinungen dazu, ob „Solidaritätsarbeit“ eine angemessene Beschreibung für die vielfältigen Initiativen für und mit der Bevölkerung im Süden sei, gingen auseinander. Es wurde die Ansicht vertreten, dass „Solidarität“ nur zwischen Akteuren bestehe, die durch gleiche Ziele und Interessen verbunden seien und die letztlich auf Gegenseitigkeit beruhe, wie dies z.B. in der Arbeiterbewegung der Fall gewesen sei. Dies wurde von anderen bestritten, die meinten, dass man sich sehr wohl auch z.B. aus humanitären Gründen mit Menschen in völlig anderen Lebenslagen solidarisch erklären könne. Es sei keine andere Zielperspektive notwendig, als diese Lage ändern zu wollen.

Anschließend wurden – unter Voraussetzung des letztgenannten Solidaritätsbegriffs – verschiedene Formen solidarischer Aktivitäten im Rahmen von Entwicklungsarbeit, Internationalismus und Globalisierungskritik gesammelt und gesichtet. Es ergab sich ein Spektrum vom Eine-Welt-Laden in Rissen über die Chiapas-Solidarität bis zu Anti-G8-Kampagnen und Weltsozialforen.

Es wurde deutlich, dass – außer den expliziten Handelsansätzen der FLO und ähnlicher Projekte – den Gruppen und Bewegungen eine konkrete Vorstellung und erst recht die Praxis einer „solidarischen“ internationalen Ökonomie fehlt. Dies ist angesichts der Komplexität der Anforderung an solche Konzepte zwar nicht verwunderlich, aber doch eine klaffende Lücke, weil sich viele Ansätze ja gerade gegen das bestehende Weltwirtschaftssystem richten. Andererseits wurde auch klar, dass insbesondere der „Faire Handel“ wie er u.a. von TransFair vertreten wird, nicht allgemein
als Zukunftsmodell akzeptiert wird. Dazu war er vielen TeilnehmerInnen zu sehr auf die bestehende Ökonomie ausgerichtet und keine richtige Alternative. Der Ansatz, über Mehrpreise kombiniert mit verschiedenen Anforderungen an die Produzenten eine nachhaltige soziale und ökologische Entwicklung zu fördern, war konsensfähig.
Umstritten war, was darüber hinaus geschehen muss.

Als Fazit konnte festgehalten werden, dass die Solidaritätsarbeit zwar inhaltlich sehr viel mit Handel zu tun hat, dies aber weder zu einer ausformulierten, allgemeinverständlichen Theorie einer solidarischen Weltökonomie noch zu einer von den
meisten Gruppen getragenen Praxis geführt hätte.

Der Workshop wurde von Anke Schwarzer, Journalistin und Mitarbeiterin des Eine- Welt-Netzwerkes Hamburg moderiert.