pixel
pixel pixel pixel


pixel
Kaffee aus alternativem Handel
pixel pixel pixel

 
Home
Wir über uns
Handelspartner
Spende
Infos
ePapiere
Nachrichten
Links
Verkostungen

Aktuelles
Verkaufsstellen in Hamburg
Unsere Produkte werden auch in vielen Läden verkauft.
Weiterlesen...





pixel

Wege aus der Kaffeekrise Drucken
Die Kaffeekrise führt seit Jahren in den klassischen Anbauländern zu Verarmung, Landflucht und Migration. Ursachen sind u.a. eine eher stagnierende Nachfrage und eine künstliche, d.h. durch „Entwicklungsprojekte" gepuschte, Angebotsausweitung. Wir stellen kurz drei über die reine Theorie hinaus gekommene Lösungsvorschläge vor.


1. Von gestern?: Das Internationale Kaffeeabkommen  
 
Von 1962 bis 1989 regelte das Internationale Kaffeeabkommen die Preise. In seinem Rahmen wurden Exportquoten festgesetzt, die den Kaffeepreis hochhielten. Es war zwischen Anbau- und Importländern vereinbart. Das Abkommen wurde durch die USA gekündigt. Es gab nach dem Zerfall des Ostblocks keinen Bedarf mehr für Schutz vor dem reinen Markt. Versuche in den Folgejahren (1994 und 2001) zwischen den Produzenten Mengenfestlegungen zu treffen, scheiterten an deren Uneinigkeit.

Die Ausgangssituation hat sich seitdem noch verschlechtert (neuer erfolgreicher Produzent Vietnam, High- Tech-Plantagen in Brasilien), so dass eine Wiederbelebung - obwohl von vielen Seiten gefordert - relativ unrealistisch ist.
 
2. Fairer Handel in unterschiedlichen Formen

Einen anderen Weg geht der Faire Handel. Die wichtigsten Prinzipien sind der direkte Handel mit den Produzentengruppen unter Ausschluss von Zwischenhändlern, Zahlung von Mindestpreisen, die über dem Weltmarktniveau liegen, Zahlung von Prämien, Vorfinanzierung sowie langfristige Lieferbeziehungen. Um in den Genuss des fairen Handels zu kommen, müssen sich die ProduzentInnen verpflichten, bestimmte soziale und ökologische Standards einzuhalten. Dazu werden sie beraten. Neben der Hauptrichtung, die durch das Transfairsiegel repräsentiert ist, gibt es Varianten. Eine vertreten wir. Die praktischen Unterschiede liegen in einem unter bestimmten Umständen höheren Einkaufspreis, Konzentration auf den Handel mit Kooperativen und die Ablehnung von Konzernstrukturen (s. dazu unser letztes Info).

Das Lösungsmodell des Fairen Handels setzt auf umweltfreundliche Produktion in kleinbäuerlichen Strukturen. Ihm wird vorgeworfen, es heize die Überproduktion an, wenn es in größerem Maß angewandt würde. Das stimmt nicht, weil es eine eher extensive Produktion fördert, außerdem wäre es leicht mit Quoten kombinierbar. Obwohl praktisch umsetzbar, ist es unter den gegebenen Bedingungen völlig utopisch. Aus kapitalistischer Sicht wäre es der reine Wahnsinn, Großproduzenten als die billigsten Anbieter quasi vom Markt auszuschließen, wenn sie vergleichbare Qualität anbieten können.
 
3. ganz neu: CCCC

Und damit sind wir bei dem neusten - trotz aller Einwände erstaunlichen - Ergebnis internationaler Handelspolitik, dem Common Code for the Coffee Community, am 10.9.2004 in Hamburg veröffentlicht (www.sustainable- coffee.net). Darin vereinbaren große Kaffeehändler und Röster unter Beteiligung von NGOs, Gewerkschaften, des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, Kaffee bei Produzenten einzukaufen, die sich bei der Produktion an bestimmte Bedingungen halten. Das große Stichwort ist dabei „Nachhaltigkeit". Von den Produzenten sind soziale und Umweltstandards einzuhalten.

Bei den sozialen Standards geht es u.a. um Vereinigungs- und Tariffreiheit, Antidiskriminierung, ein Recht für Kinder auf Kindheit und Unterricht, Arbeitsverträge, Arbeitszeiten, Gesundheitsschutz, Arbeitssicherheit, Löhne, angemessene Unterbringung und ein Verbot von Vertreibung; bei den Umweltstandards stehen Biodiversität, Agrochemie und Bodenfruchtbarkeit im Mittelpunkt der Überlegungen.

Es soll ein weltweites Zertifizierungssystem eingeführt werden. Pilotprojekte sollen jetzt starten. Ein neues Label für diesen Kaffee soll es nicht geben.

Kritik wurde natürlich auch schon geübt: Greenpeace ist ausgestiegen, weil kein Verbot von Gen-Kaffee festgeschrieben wurde; FIAN (als Vertreter deutscher entwicklungspolitischer NGOs) hat ebenfalls noch nicht seine Zustimmung erklärt, weil die Bestimmungen noch zu vage seien. Transfair macht darauf aufmerksam, dass der Code keine Festlegung zu den Einkaufsbedingungen der Konzerne und zu Mindestpreisen enthält. Es wird eine Vorleistung verlangt, von der unklar ist, wie sie vorfinanziert und honoriert werden soll.

Sollte der CCCC ernsthaft umgesetzt werden, wäre er bei den freiwilligen Verpflichtungen von Handel und Industrie auf Grundstandards (Codes of Conduct) ein Meilenstein. Textilindustrie und -handel wären z.B. von einer ähnlichen Flächendeckung weit entfernt. Nur - der Vergleich hinkt!

In bezug auf die kleinbäuerliche Kaffeeproduktion gehen viele der Standards am Problem vorbei: Die Campesinofamilie muss nicht durch den Code aufgefordert werden, sich ein vernünftiges Haus zu bauen oder die Kinder zur Schule zu schicken, sie täte das von selbst, wenn der Kaffeeverkaufspreis hoch genug wäre. Und häufiger als durch rohe Gewalt wird sie durch Schulden von ihrem Land vertrieben.

Ziel der Konzerne ist, die Kritik an den Strukturen des Kaffeemarktes und damit an ihnen zum Schweigen zu bringen, ohne die „freie" Preisfindung zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Was passiert, wenn CCCC tatsächlich funktioniert? Es gibt keinen Mechanismus gegen eine Überproduktion von CCCC-Kaffee. Je mehr Produzenten sich dem Code unterwerfen, je geringer wird der Preis werden, den sie erhalten. Entweder bricht dann der CCCC zusammen, weil die Produzenten die Standards nicht einhalten können und wollen oder der Markt bewirkt die nicht ausgesprochene aber intendierte Folge: gut organisierte Mittel- und Großproduzenten bleiben mit einer durchrationalisierten aber „nachhaltigen" Produktion am Markt, Kleinproduzenten gehen ein. Das ist die Marktlogik, gegen die nicht viel zu sagen wäre - wenn die Kleinproduzenten eine Alternative hätten. Haben sie aber nicht! (s. den Artikel zur Kaffeekrise vorne). Das Elend wird so lange weiter gehen, bis ein Handelsregime eingeführt wird, das die kleinbäuerliche Produktion klar bevorzugt. Das nützt allerdings nichts mehr, wenn die Kleinbauern verhungert oder in die Elendsgürtel der Städte abgewandert sind.