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Kaffee aus alternativem Handel
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el rojitos Weg aus der eigenen Kaffeekrise Drucken
Nach dem Absturz der Verkaufsmengen vor 8 Jahren, dem darauf folgendem Sinkflug und der allmählichen Konsolidierung auf niedrigem Niveau, unternehmen wir jetzt weitergehende Schritte in Richtung Verkaufssteigerung. In den letzten Jahren haben wir immer wieder von unserer eigenen Kaffeekrise berichtet. Probleme bei unseren Lieferanten führten zu einem kurzfristigen Absturz unserer Verkaufsmengen und der Rückgang der Solidaritätsbewegung ließ in den folgenden Jahren den Absatz weiter sinken. Inzwischen hat sich diese Entwicklung vor allem dank unserer treuen Stammkundschaft nicht weiter fortgesetzt. Wir sind seit einiger Zeit auf einem stabilen aber niedrigen Level angelangt. Mit diesen Verkaufszahlen schlagen unsere Kosten aber verhältnismäßig stark auf den Verkaufspreis des Kaffees durch.


Da es außerdem eines unserer Ziel ist, den Kooperativen in Nicaragua und Lateinamerika möglichst viel Kaffee abzunehmen, wollen wir den Absatz des Kaffees wieder steigern. Wir haben unseren Vertrieb aufgebaut in den glorreichen Zeiten der Solidaritätsbewegung. Damals war el rojito präsent in vielen Bündnissen, sowohl lokal als auch bundesweit. Weil wir überall mitmischten, konnten wir uns die Basis unseres Vertriebes aufbauen. Diese Arbeit gründete auf dem ehrenamtlichen Engagement einiger Mitglieder. Die politische Arbeit wurde und wird nicht bezahlt. Wir waren bekannt und haben interveniert. Das führte auch zum Verkauf des Kaffees. In vielen WG's wurde es zur solidarischen Pflicht, Sandino zu trinken.



Aus dieser Zeit haben wir noch einen großen Teil unserer Kundschaft. Das ist uns eine wichtige Basis und wir werden auch in Zukunft auf diese gemeinsame Geschichte aufbauen. Wir werden unseren Handel weiterhin transparent halten, nicht gewinnorientiert arbeiten, nach unseren Kriterien (siehe letztes Info) handeln und unser Möglichstes geben, die strukturelle Ungerechtigkeit dieser Welt zu bekämpfen. Über unsere Extrapfundaktion (siehe Homepage) und weitere Aktivitäten wollen wir hier auch weiterhin versuchen, den Umsatz zu erweitern.



Unser bisheriges Käuferspektrum lässt sich leider kaum ausbauen, also wollen wir neben unseren Stammkunden weitere Käufer durch den vermehrten Vertrieb über Wiederverkäufer erreichen. Erste Schritte haben wir schon unternommen, indem wir den Stadtkaffee Hamburger Fairmaster sowie einige Espressosorten entwickelt haben. In einer Pilotphase beliefern wir einige Supermärkte bei uns im Viertel und bringen bald noch eine neue Produktlinie heraus. Diese neuen Kaffees sind natürlich auch für unsere Direktkunden verfügbar. Um unsere Produkte hier in Hamburg bekannter zu machen und unsere Öffnungszeiten für Endverbraucher zu erweitern, haben wir eine uns gebotene Möglichkeit am Schopfe gepackt werden ein Ladencafe eröffnen. Da ist einiges in Bewegung und viele Veränderungen stehen an. Noch vor ein paar Jahren haben wir uns geweigert, Sandino in die Supermärkte zu stellen. Handelsketten sollten nicht am alternativen Handel verdienen. Mit dem Kaffee sollte auch immer eine deutliche Aussage verbunden sein, die im Supermarkt nicht unterzubringen ist.



Alles anders?

Wir verlieren im Supermarkt den Kontakt zum Kunden, können uns nicht mehr direkt vermitteln. Wir sind uns bewusst, dass wir uns der Flüchtigkeit der marktgesteuerten Warenwelt aussetzen und müssen uns der Sprache und Symbolik des Marktes annähern. Wir stellen die Merkmale Bio und Fairer Handel in den Vordergrund, außerdem natürlich Qualität und Geschmack. Das Vermeiden linker Symbolik und Inhalte auf der Verpackung zum Zwecke der Verkaufssteigerung sind Äßerlichkeiten. Das Benutzen des Begriffes Fairer Handel aber ist erklärungsbedürftig. Wir sind der Entwicklung von Transfair immer sehr kritisch begegnet. Das hat sich auch nicht geändert. Allerdings hat Transfair auch einen Raum geöffnet für das Bewusstsein um den Fairen Handel.



Wir meinen, dass 30 Jahre „fairer Handel“, 20 Jahre alternativer Handel und 10 Jahre Transfair den Begriff Fairer Handel in weiten Teilen der Bevölkerung verankert haben. Deswegen benutzen wir diesen allgemeinen Begriff auch für unsere neuen Sorten. Mit den Preisen der Kaffeekonzerne können und wollen wir natürlich nicht mithalten, müssen dem aber so weit es geht entgegenkommen, indem wir Händlerpreise für einige Sorten einführen. Bisher hatten wir für jede Sorte dieselbe Spanne kalkuliert. Wir haben nicht unterschieden, ob z.B. ein Buchladen den Kaffee weitervertrieb, oder ob ein Kunde den Kaffee für sich oder seine Bekannten kaufte. So wurde er im Weiterverkauf natürlich teurer.



Jetzt führen wir für einige Produkte spezielle Preise für registrierte Händler ein. Da wir den Kaffee im Endverkauf nicht teurer machen wollen, gehen die Preisnachlässe von unserer Spanne ab. Das würde bei gleich bleibenden Verkaufsmengen natürlich zum Verlust führen. Deswegen kalkulieren wir mit einem mindestens gleich bleibenden Direktvertrieb und mit einer ordentlichen Steigerung im Zwischenhandel. Schwerer fällt uns die Änderung der zusätzlichen Spende. Bisher gibt es einen Verkaufspreis inkl. MwSt. und dazu dann die Spende. So müssen wir auf die Spende keine Umsatzsteuer bezahlen und sie geht in voller Höhe nach Nicaragua. So bleibt das auch mit den Kaffees aus der Sandino Reihe. Mit den neuen Sorten und Vertriebswegen wird das nicht gehen. Da wird die Spende im Verkaufspreis enthalten sein und damit umsatzsteuerrelevant. Das ist ärgerlich aber üblich. Mit unserer nicht versteuerten Zusatzspende sind wir ziemlich allein auf diesem Markt und brauchen damit bei kommerziellen Wiederverkäufern gar nicht erst anzukommen.



Alles gut

Insgesamt sind wir guter Dinge und denken, dass unser Konzept aufgeht. Wir werden auf der einen Seite so weitermachen wie bisher. Die Sandinosorten werden uns nach wie vor eine wichtige Linie sein. Die neuen Sorten und Vertriebswege werden spannende Entwicklungen und den Kooperativen in Lateinamerika mehr Umsatz bringen. Damit das noch nicht genug Neues und Stress ist, werden wir in direkter Nachbarschaft ein Cafe eröffnen. Hier wird Kaffee ausgeschenkt und unsere Produkte verkauft. Es wird ein gemütlicher Ort sein, der einlädt zum Verweilen und Wiederkommen. Als öffentlicher Raum wird er el rojito in Ottensen präsenter und unsere Produkte bekannter machen. Also, wer in Hamburg ist, sollte unbedingt mal auf einen Espresso oder Milchkaffee vorbeikommen!