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Was der Biokaffee mit der Trinkwasserversorgung zu tun hat |
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Die Kaffeeanbaugebiete Nicaraguas sind durch die tiefgrüne Farbe der Kaffeesträucher nicht nur etwas für das Auge, in der Erntezeit kann man sie auch am Geruch erkennen. Dann werden die Bohnen aus ihren saftigen Kirschen gelöst und die verfaulenden Schalen verbreiten ein penetrant süßliches Aroma über Felder und Dörfer. Diese vermeidlich schöne heile Welt ist eine zentrale Ursache für Probleme der Wasserversorgung in den vom Kaffeeanbau geprägten Gebieten Nicaraguas.
Hier wird die Versorgung mit Trinkwasser überwiegend durch Oberflächenwasser sichergestellt. Die Rohre werden direkt an Flussläufe gelegt und das Wasser so in die Dorfgemeinschaften oder größeren Provinzstädte transportiert, wo es entweder mit Chlor behandelt oder direkt an die Verbraucher weitergeleitet wird. Dabei dient die natürliche Bewaldung als Schwamm, der Regen und Feuchtigkeit speichert und über das Jahr verteilt wieder abgibt. Diese „Dienstleistung“ der Natur ist durch eine Anbauweise gefährdet, die insbesondere ab den 70er Jahren Verbreitung gefunden hat, als internationalen Experten den Kaffeeanbau „unter der Sonne“ als heilsbringende Modernisierung traditioneller Konzepte propagierten. Die Kaffeepflanzungen ohne Schattenbäume steigern zwar die Hektarerträge, aber die natürliche Regulierungsfunktion des Waldes geht dadurch verloren. Auch nimmt der Einsatz von Kunstdünger und Herbiziden zu, denn in der prallen Sonne kann sich das Unkraut besonders gut entwickeln und der Boden verliert wertvolle Nähstoffe. In der Regenzeit werden die Böden ausgespült und in der Trockenzeit tragen die Flussläufe nicht genug Wasser für die Deckung des privaten Verbrauchs. Während der Erntezeit trägt außerdem die vorherrschende Form der Kaffeeverarbeitung zu einer Verschmutzung der Flüsse und somit zu Erkrankungen und einer erhöhten Kindersterblichkeit bei. Unter erheblichem Wasserverbrauch werden dann nämlich die Kaffeekirschen geschält und das verpestete Wasser samt Schale in die Flüsse geleitet.
Die organische Kaffeewirtschaft trägt dazu bei, diese Probleme zu vermeiden. Damit wird die alte Tradition des Schattenanbaus wieder belebt, bei dem die Kaffeesträucher unter einer dichten Laubdecke von Bäumen versteckt liegen. Diese Agrarforstsysteme regulieren aber nicht nur den natürlichen Wasserhaushalt, sondern produzieren auch Brennholz und Obst für die bäuerlichen Familien. Daneben lässt sich durch die selektive Entfernung von Ästen die Sonneneinstrahlung und damit die Unkrautbildung regulieren. Das ermöglicht den Verzicht auf Agrochemie und verringert die Abhängigkeit der ProduzentInnen von teuren externen Inputs. Gleichzeitig wird die Kaffeeschale nicht mehr in die Flüsse geleitet, sondern zu organischem Dünger verarbeitet. Das beim Schälvorgang verbrauchte Wasser verdunstet in extra dafür angelegten Becken oder kann zu organischem Unkrautvernichtungsmittel verarbeitet werden. Verstärkt setzten sich in diesem Prozess auch sogenannte „ökologische Verarbeitungsanlagen“ durch, die das im Schälvorgang verwendete Wasser in einem geschlossenen Kreislauf halten und 40 mal weniger Wasser pro Sack Kaffeekirschen benötigen als herkömmliche Maschinen. Der alternative Handel mit organisch angebautem Kaffee verbessert somit nicht nur die Einkommenssituation der ProduzentInnen, sondern leistet einen nachhaltigen Beitrag zu einer quantitativ und qualitative verbesserten Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Trinkwasser. |