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el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Blog #11 Boaco 2018

Blog #11

 

Heute morgen um 7:30 Uhr sind wir nach Boaco aufgebrochen. Nach der Fahrt mit dem Taxi zum Busbahnhof, wobei wir die Rotonda Chavez umfahren musste, da diese großräumig abgesperrt ist, sind wir von dort mit dem Bus gestartet. Der Fahrer meinte, es sei kein Problem, nach Boaco zu gelangen. Auf der Ausfallstraße von Managua gab es einen verlassenen tranque auf einer Spur einer zweispurigen Straße. Kurz vor Tipitapa ging es dann zunächst nicht weiter, da Bauarbeiter einen Bagger über das Wochenende quer auf der Panamericana abgestellt hatten. Nach einem Wendemanöver ging es kurz zurück und dann über eine Nebenstrecke weiter Richtung Norden.

 

Auf der weiteren Fahrt passierten wir noch zwei verlassene tranques, die jeweils nur eine Spur blockierten. Kurz nach dem Beneficio von der Kooperative Tierra Nueva, etwa 13 Kilometer vor Boaco, war die Fahrt dann zu Ende. Wir mussten aussteigen und die Sperre zu Fuß umgehen. Auf der anderen Seite haben wir uns dann mit einem Campesino, der auch aus unserm Bus war und in die Stadt wollte, zu sechst ein Taxi geteilt.

 

Wir sind insgesamt sehr schnell durchgekommen heute. Ob wir auch übermorgen auf der Rückfahrt so viel Glück haben werden läßt sich überhaupt nicht sagen.

 

Nach dem Einchecken im Hotel haben wir uns auf einen Rundgang durch die Stadt gemacht. Die Atmosphäre ist sehr eigenartig, es ist gespenstig ruhig. Vor zwei Tagen gab es einen Zwischenfall mit mehreren Verletzten, einer von Ihnen ist gestern gestorben. Er stand der FSLN nahe. Die Polizeistation ist gut bewacht, alle Straßen in der Umgebung gesperrt. Die Straßen um die Alcaldia sind alle mit Barrikaden befestigt, die tagsüber verwaist daliegen, nachts aber bewacht werden. Ein Lautsprecherwagen vom Radio fährt durch die Stadt und kündigt eine für drei Tage verordnete Stadttrauer wegen ihres getöteten Einwohners an. Dazwischen läuft immer wieder „Hallelujah“.

 

Als wir am zentralen Platz noch einen kleinen Imbiss einnehmen wollen sagt die Besitzerin, es gebe Huhn, Huhn oder Huhn. Aufgrund der tranques kämen kaum noch Lebensmittel in die Stadt. Wir bekommen dann Ananas, Banane und Papaya, womit wir sehr glücklich sind. An den Nebentischen drehen sich sämtliche Gespräche um die Situation in Boaco. Vor der Kirche ist ein großer Menschenauflauf. Es ist die Trauerzug für den Getöteten, der sich danach auf den Weg durch die Stadt macht.

 

Bis jetzt waren die Proteste in Boaco recht friedlich. So wurden die Randsteine der Hauptstraße, die wie an vielen anderen Orten Nicaraguas in knalligem rot, blau, rosa und gelb gehalten waren von Studierenden weiß und blau angemalt. Auf einem Berg direkt neben der Stadt weht eine blau-weiße Fahne. Doch es ist im Moment schwer vorstellbar, dass hier wieder alles einfach so zur Normalität von vor wenigen Wochen zurückkehren wird.

 

 

Magnus für die rojit@s


28 Mai, 2018 - 04:36 - m.kersting