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el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Blog #2 Managua 2018

Blog #2

 

Heute sind wir den dritten Tag in Managua. Immer noch fällt es uns schwer, die Entscheidung zu treffen, das geplante Seminar mit den Handelspartner*innen ausfallen zu lassen. Heute ist der zweite Verhandlungstag und die Wahrscheinlichkeit, dass dabei ein Durchbruch erzielt wird, ist recht gering.

 

Sicher ist, dass wir die geplante Landpartie, bei der wir gemeinsam mit den Teilnehmer*innen einige Projekte von Kooperativen in Nicaragua besuchen wollten, nicht durchführen können.

 

Ebenfalls sicher ist, dass nicht alle Kooperativen nach Managua kommen werden. Die Situation in Jinotega ist so angespannt, dass von Soppexxca möglicherweise niemand anreisen wird. Für die Kooperativen ganz im Norden ist es bei den vielen Straßensperren und der kritischen Versorgung mit Treibstoff auch sehr unwahrscheinlich. Höchstens zwei oder drei der Kooperativen wären bei dem Treffen vertreten.

 

Von den Kooperativen aus den andern Ländern, bei denen wir zunächst davon ausgegangen sind, dass es sehr viel unwahrscheinlicher ist, dass sie zu dem Treffen anreisen können, würden wohl alle kommen.

 

In Managua spielt sich das Leben derzeit vor allen in den Vormittagsstunden ab. Viele Firmen schließen mittags, damit die Angestellten ohne Probleme sicher nach Hause gehen können. Dies gilt auch für die größeren Geschäfte. An einzelnen Stellen im Stadtgebiet gibt es Blockaden. In den einzelnen Barrios gibt es aber nach wie vor ein reges Nachtleben. Chavez und die Lebensbäume in seiner Umgebung, Symbol der Macht der Familie des Präsidenten, werden seit Tagen von regierungstreuen Nicaraguaner*innen geschützt. In anderen Teilen der Stadt sind diese Metallgiganten teilweise um gestürzt oder durch Feuer zum Erlöschen gebracht. Vor zwie Tagen kam ein guatemaltekischer Filmemacher ums Leben, der unter einen umstürzenden Lebensbaum geraten ist.

 

Das habe ich heute vormittag geschrieben. Den ganzen Tag über haben die Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit angedauert. Nun scheint es, dass es tatsächlich zumindest kurzfristig zu einer Beruhigung der Situation in Nicaragua kommen wird. Rosario Murillo, die Vizepräsidentin des Landes, bezeichnete zwar heute noch die Unruhen als biblische Plage und ihre Kritiker*innen als schlecht erzogen, aber am Ende des Tages kam die Meldung, dass es einen Waffenstillstand geben soll, der beinhaltet, dass sich die Polizei von der Straße zurückzieht und ebenfalls die Protestierenden. Sollte dies auch auf der Straße angenommen werden, so wäre es ein Durchbruch zu der Möglichkeit einer friedlichen Lösung.

 

Den Nachmittag über zogen massenweise Demonstrant*innen mit Fahnen durch die Stadt. Es wirkte eher wie der Gang zu einem wichtigen Sportereignis wie der Aufbruch zu einer politischen Versammlung. Jetzt am Abend ist überall auf der Straße Musik zu hören. Autokorsos fahren hupend durch die Stadt. Es hört sich an wie in Hamburg nach einem gewonnenen Fussballspiel. Noch vor ein paar Stunden war die Stadt ungewöhnlich still. Es waren keine Busse und kaum LKW in den Straßen unterwegs und auch der sonstige Verkehr war deutlich geringer als üblich.

 

Viele Leute sind besorgt über die Zukunft und die Aussicht auf eine langwierige bewaffnete Auseinandersetzung mit vielen Toten. Die Preise einiger Lebensmittel sind bereits gestiegen und vieles ist im Moment auch nicht verfügbar.

 

Wenn sich in der kommenden Nacht nicht zeigt, dass alles nur leere Worthülsen sind und alle Seiten sich auch an die Ergebnisse der Verhandlungen halten werden wir wohl all unsere Alternativplanungen über Bord werfen und das Seminar kann stattfinden.

 

Ob die Beruhigung der Situation für das ganze Land gilt und nicht nur für die Region Managua muss sich dann erst noch zeigen.

 

Magnus für die rojit@s


19 Mai, 2018 - 03:38 - m.kersting