el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Kooperativenbesuch Blogeintrag #4

El Rojito kauft ausschließlich Kooperativenkaffee, und auch andere Faire Kaffeehändler teilen dieses Prinzip. Dass eine Kooperative ein selbstorganisierter Zusammenschluss von Produzent*innen ist, wissen auch die meisten bewussten Konsument*innen, aber wie funktioniert eine Kooperative genau? Und was sind die Vorteile der Mitgliedschaft für die Produzent*innen?

Die erste Kooperative Nicaraguas wurde in den 1930er Jahren durch den Widerstandskämpfer Augusto C. Sandino in der Stadt Wiwilí gegründet, in der heute unsere Handelspartner La Providencia ansässig sind. In einer Kooperative können wenige Dutzend bis zu Hunderte von Produzent*innen organisiert sein, entweder in einer Einzigen, oder in verschiedenen Basiskooperativen unter dem Dach einer übergeordneten Organisation. Die Produzent*innen treten offiziell in die Kooperative ein und zahlen einen kleinen Mitgliedsbeitrag. Auf den jährlichen Generalversammlungen wählen sie dann aus ihren Reihen den fünf- bis neunköpfigen Vorstand und ein Revisionskomitee, das die Arbeit des Vorstands überwachen soll. Manche Kooperativen setzen zudem eine*n Geschäftsführer*in ein.
Mit der Mitgliedschaft in einer Kooperativen schaffen sich die Produzent*innen eine Vermarktungsplattform. Die Organisationen bemühen sich, ausreichend Käufer*innen zu finden, sodass möglichst die gesamte Menge des von den Mitgliedern geernteten Kaffees vermarktet werden kann. Optimalerweise schließen sie entsprechende Verträge vor Beginn der Erntesaison ab, um einschätzen zu können, wie viel Kaffee sie den Produzent*innen abnehmen können. Denn diese können ihren Kaffee entweder an die Kooperative oder auf der Straße an Aufkäufer abliefern, die den Kaffee an große transnationale Konzerne weiterreichen. Von den Kooperativen erhalten die Produzent*innen in der Regel deutlich mehr Geld für ihren Kaffee als von den Transnationalen. Aber hier kommt der Haken: die Kooperativen zahlen im Gegensatz zu den Aufkäufern in zwei Chargen. Das erste Mal bei der Entgegennahme des Kaffees, das zweite Mal nach der Abrechnung der Container mit den internationalen Käufer*innen. Im Fairen Handel zahlen diese vor Beginn der Erntesaison eine Vorfinanzierung von mindestens 50% des Gesamtpreises, mit der die Kooperativen die erste Auszahlung realisieren können. In manchen Fällen liegt diese jedoch unterhalb des aktuell geltenden Straßenpreises, und dann ist das Vertrauen der Produzent*innen in die Organisation gefragt. Denn die zweite Auszahlung erfolgt oft erst Monate nach der Ablieferung des Kaffees. Eine angespannte wirtschaftliche Situation der Produzent*innen kann dazu führen, dass ihnen die Abgabe des Kaffees an Straßenaufkäufer vorteilhaft erscheint, beispielsweise wenn sie schnell eine bestimmte Summe an Geld benötigen. So berichten uns viele Produzent*innen, dass sie den ersten Teil der Ente einer Saison immer auf der Straße verkaufen müssten, um überhaupt Geld für die Löhne der Pflücker*innen zu haben. Diese ernten dann den Kaffee, der an die Kooperative geliefert wird. Die Transnationalen nutzen wirtschaftliche Notlagen aus, indem sie Produzent*innen gezielt Kredite geben und sie dann über ein oder mehrere Jahre vertraglich verpflichten, ihre gesamten Ernten an sie zu verkaufen. Tun sie dies nicht oder bleiben die Erträge wegen Missernten unterhalb der Vertragsmengen, drohen hohe Strafzahlungen. Auch geben die Transnationalen in der Regel keine verlässlichen Preisgarantien. Bei unserem Besuch hörten wir von vielen Kooperativen, dass einige Konzerne wir Olam oder CISA in den letzten Jahren immer perfidere Methoden anwenden, um insbesondere biozertifizierte Produzent*innen an sich zu binden und die Kooperativengefüge gezielt zu zersetzen.
Die Kooperativen können dem entgegentreten, indem sie den Mitgliedern selbst Kredite anbieten. Auch haben sie teilweise sehr gute Systeme, die insbesondere den Produzent*innen mit den kleinsten Anbauflächen und dem geringsten Eigenkapital die komplette Abnahme ihres Kaffees garantieren. Trotzdem sind sie auch auf die Loyalität und das Engagement der Mitglieder angewiesen, um langfristig und stabil zu funktionieren.
El Rojito als Teil der Importgemeinschaft Mitka finanziert den Kaffee mit 60% des Einkaufspreises vor und trägt damit direkt zur Stärkung der Kooperativen bei. Dazu benötigen wir Eure Unterstützung. Weitere Informationen findet Ihr unter https://www.el-rojito.de/darlehen.

 


28 Februar, 2020 - 13:47 - christiane