el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Praktikumsbericht Combrifol #4

Pfirsichwein und Bananenchips
Die jungen Besizer der Flächen

Besuch von jungen Produzenten gemeinsam mit Trocaire und Erarbeitung eines Monatsplan für COMBRIFOL In dieser Woche war die Kooperative gemeinsam mit Alexis, der für die irländische NGO Trocaire arbeitet und aus Tegucigalpa angereist ist, eine Gruppe von jungen Produzenten in der Gemeinde Nahuaterique besuchen. Nahuaterique liegt etwa zwei Stunden von Marcala entfernt in Richtung El Salvador und ist landschaftlich durch sanfte, dicht bewachsene Hügel und ein frisches Klima geprägt. Die jungen Erwachsenen, die durch COMBRIFOL und Trocaire vor fünf Jahren finanziell bei dem Kauf von Bodenflächen für den Anbau von Kaffee unterstützt wurden, leben gemeinsam in der kleinen Siedlung El Mono. Unter den jungen Produzenten sind vier Geschwister, drei junge Männer (18, 22, 26) und deren Schwester (23). Auch ihre Cousins, zwei weitere junge Männer (19, 21) aus dem Nachbarhaus, haben eigene Flächen bekommen. Die Gruppe bewirtschaftet die Flächen gemeinschaftlich, zudem kümmern sie sich gemeinsam um die Herstellung von Dünger. Außerdem haben COMBRIFOL und Trocaire die junge Gruppe auch bei der Anschaffung von Bienen für die Herstellung von Honig unterstützt. Die Bodenflächen, auf denen die Gemeinschaft Kaffee anbaut, liegen mit dem Auto eine halbe Stunde entfernt in einem schwer zugänglichen, aber wunderschönen Waldstück. Wenn es regnet, sind ihre Flächen - wenn überhaupt - nur zu Fuß zu erreichen, da die aufgeweichten Wege zu Flüssen und für Fahrzeuge unpassierbar werden. Alexis von Trocaire wollte sich einen Eindruck verschaffen, wie sich die Situation der jungen Produzenten verändert hat und wie die Zusammenarbeit funktioniert. Jeder einzelne der jungen Produzenten hat auf seiner Fläche 500 bis 1000 Pflanzen und Alexis bat jeden Einzelnen über seine Erfahrungen zu berichten. Die junge Gruppe arbeitet leidenschaftlich daran, den Kaffee mit Geduld und im Einklang mit der Natur anzubauen. Neben dem rein ökologischen Anbau haben sie den unteren Teil der gemeinsamen Fläche, der an einem kleinen Bach liegt, brachliegen lassen, um das Ökosystem aufrecht zu erhalten. Sie berichteten von Tieren, die gerne an dieser Stelle vorbeikommen, wie beispielsweise Wildschweine und Tigerkatzen, und auch Vögel und Insekten waren während unserem Besuch in einer Vielzahl aktiv. Zudem bauen sie auf der Fläche Bananen und Kürbis für den eigenen Bedarf an. Gemeinsam wanderten wie die Hügel entlang und unterhielten uns über die jungen Kaffeepflanzen und die angebauten Sorten Bourbón, Típica und Catuí. Jorge, der technische Assistent von COMBRIFOL gab zeitgleich Tipps, woran man den Zustand einer gesunden Kaffeepflanze erkennen kann und wie regelmäßiges Düngen die Pflanze stärkt. Leider musste die Besichtigung der Flächen kurzfristig abgebrochen werden, da es zu regnen begann. Zurückgekehrt in der Gemeinde fand eine Besprechung mit allen Familienmitgliedern statt. Neben ausführlichen Gesprächen zum Anbau von Kaffee und dem Engagement der jungen Erwachsenen in der Kooperative war zudem auch Zeit für Diskussionen über die politische Situation des Landes. Hintergrund dazu ist die Bereitstellung von Saatgut für Bohnen und Mais zweimal jährlich durch die Regierung in El Salvador. Für die jungen Produzenten, die nah an der Grenze leben, ist die fehlende Unterstützung auf der honduranischen Seite eine Enttäuschung. In den ländlichen Gebieten in Honduras ist es auch heute noch sehr schwer, ausreichend Einkommen für eine Familie zu erwirtschaften und die Lebensbedingungen sind sehr einfach. Dies ist ein Grund, weshalb viele der jungen Erwachsenen ihrem Land den Rücken zukehren und sich mit großen Hoffnungen im Gepäck auf die weite Reise in Richtung USA machen. Doch nicht alle sehen in diesem Weg die Lösung: Zum Stolz der ganzen Gruppe stellten die jungen Produzenten ihre gemeinsam und selbst entwickelten Projekte vor – Honig, Pfirsich-Wein und Bananen-Chips aus eigener, ökologischen Herstellung und für den lokalen Verkauf! Gerade arbeiten sie an den Etiketten, was durch fehlende Elektrizität in der Gemeinde und die Entfernung zu Marcala, der nächsten größeren Ortschaft, nicht einfach ist. Dennoch sind der Wille und die Entschlossenheit der junge Gruppe, die Situation selbst in die Hand zu nehmen und durch die Landwirtschaft ein Einkommen zu generieren, beeindruckend. Sie wünschen sich sehr, ohne unterstützende Projekte durch COMBRIFOL und Trocaire auszukommen und arbeiten hart, um ihre eigenen kleinen Projekte ins Leben zu rufen! So wurde abschließend einvernehmlich beschlossen, dass sich die finanzielle Unterstützung langsam dem Ende zuneigen solle. Nichtsdestotrotz soll die Zusammenarbeit im Kaffeeanbau und in der lokalen Vermarktung der Produkte auch zukünftig weitergeführt werden.


16 Oktober, 2016 - 22:18 - m.kersting