el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Praktikumsbericht Combrifol #6

In dieser Woche veranstaltete COMBRIFOL eine Konferenz zum Thema Klimawandel für Mitglieder der Kooperative und Interessierte.

In Honduras ist seit einigen Jahren ein deutlicher Wandel des Klimas zu spüren und da ein großer Teil der honduranischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig ist, sind viele der Einwohner über diese Veränderungen sehr besorgt. Honduras ist ein Land mit reichen Vorkommnissen an natürlichen Ressourcen – wie Wasser und fruchtbarem Boden und weitläufigen Wäldern, ebenso gibt es begehrte Bodenschätze – läuft aber gleichzeitig auf Gefahr, diese exzessiv und ausbeuterisch zu nutzen.

Auch die Lebensbedingungen der Menschen haben sich mit der Zeit verändert, ein Thema, über das viel Redebedarf in der Gesellschaft besteht: Wohingegen die absolute Armut in der Bevölkerung gesunken ist, hat die relative Armut und die Kluft zwischen Arm und Reich sehr zugenommen. Es gibt mehr Menschen und mehr Autos, gleichzeitig aber auch mehr Müll und die Nutzung natürlicher Rohstoffe mit dem Ziel „Entwicklung“ und Wohlstand zu erzeugen hat überhandgenommen.

Über mehrere Stunden hinweg wurden in den Räumlichkeiten von AHPROCAFE (Asociación Hondureña de Productores de Café, dt. Verband honduranischer Kaffeeproduzenten) in Marcala Vorträge zum Klimawandel in Honduras und zur Situation der Kaffeebauern gehalten. Ein Schwerpunkt der Vorträge war der Kaffeepilz „Roya“, der für die Kaffeebauern in der Region um Marcala ein aktuelles und sehr schwerwiegendes Problem darstellt. Durch die Zunahme von extremen Wettereignissen und der Verzicht auf Pestizide kann sich der Pilz unter idealen Bedingungen ausbreiten, was in den letzten Jahren zu Ernteverlusten und dadurch zu finanziellen Engpässen der Kleinbauern geführt hat. Durch gezielte Maßnahmen, wie die Vernichtung befallener Pflanzen, konnten die Effekte größtenteils abgeschwächt werden - durch die Arbeit in Kooperativen mit internationaler Unterstützung konnten neue, junge Kaffeepflanzen auf den aufbereiteten Flächen gepflanzt werden. Auch der Anbau von Mischkulturen soll zukünftig helfen, Epidemien auch ohne die Verwendung von Chemikalien zu verhindern.

Ein weiteres zentrales Thema der Konferenz war das Wetterphänomen „El Niño“, das durch eine Veränderung der Passatwinde ausgelöst wird. Kürzere Regenphasen und extreme Temperaturen haben nicht nur einen Einfluss auf das Leben der Bevölkerung in Lateinamerika, sondern auch auf die landwirtschaftliche Produktion und die Natur des Kontinents. Neben einer intensivierten Nutzung der natürlichen Süßwasservorkommnisse als ein Effekt ist vor allem das Austrocknen des Bodens in einigen Regionen von Honduras, wie beispielsweise an der Pazifikküste um Choluteca, bedenklich.

Diese Effekte werden durch ein weiteres Problem, das in Honduras immer mehr an Präsenz gewinnt, verstärkt: Abholzung. Der Handel mit Edelhölzern ist ein neues, lukratives Geschäft in Honduras und die Abholzung von Flächen für andere Zwecke, wie großflächigen landwirtschaftlichen Anbau und Bauprojekte, wurde in den vergangenen Jahren politisch verstärkt vorangetrieben.

Insgesamt haben die Wälder in Honduras sehr zu leiden – neben den beschriebenen Effekten ist vor allem der Borkenkäfer ein weiteres, großes Problem in Honduras: Er befällt Pinienbäume, die letztendlich absterben und gemeinsam mit der Abholzung zu einer deutlichen Verringerung der Waldfläche sorgen. Als wäre das nicht genug, haben Waldbrände, ausgelöst durch die höheren Temperaturen, zugenommen.

All diese Themen wurden in der Konferenz mit den Besuchern diskutiert. Die Teilnehmer wurden zudem eingeladen, in Gruppen über ihre persönlichen Eindrücke zum Klimawandel zu sprechen und über Maßnahmen zur Milderung der Effekte nachzudenken. Viele der Teilnehmer berichteten von einer stärkeren Verschmutzung und Nutzung der Natur durch die Bevölkerung.

Dahingehend war das Fazit der Veranstaltung, dass jeder Einzelne durch sein Verhalten das Klima zum Positiven oder Negativen beeinflussen kann, durch eine schonende Nutzung der Ressourcen, durch weniger Müll und durch umweltfreundliche Methoden im landwirtschaftlichen Anbau. Für die Bauern ist vor allem die Empfehlung ökologische Abfälle zu kompostieren und diese als natürlicher Dünger zu verwenden ein hilfreiches Feedback gewesen, ebenso wie die Empfehlung einer sparsamen Wassernutzung und der Verzicht auf Plastik. Außerdem wurde das Thema Abholzung explizit angesprochen – für den Anbau von Kaffee ist es nicht notwendig, die Flächen komplett von anderen Pflanzen zu befreien, ganz im Gegenteil. Viele Bauern verfolgen diese Strategie, um einen größtmöglichen Ertrag zu erzielen, langfristig gesehen beeinflusst diese radikale Anbaumethode allerdings die gesundheitliche Verfassung der Pflanzen. Daher ist es wichtig, darauf aufmerksam zu machen, dass vielmehr das Wohlbefinden der Pflanzen und ihrer Umwelt beachtet werden muss, um letztendlich einen Kaffee von hoher Qualität herzustellen und durch den Anbau von biologischen und fair produzierten Gourmet-Kaffee seinen Lebensunterhalt zu beziehen.


23 Oktober, 2016 - 22:23 - m.kersting