el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Praktikumsbericht Combrifol #7

Gruppenfoto
Layla mit einer Stipendiatin

Stipendienprogramm für Kinder der Produzenten und Produzentinnen der Kooperative

Am Montag dieser Woche fand in der Kooperative die Einführungsveranstaltung im Rahmen des Stipendienprogramms statt, das durch die MITKA ins Leben gerufen wurde. In Zusammenarbeit mit den Partnern aus Deutschland, die Teil der MITKA sind, wird die Fairtrade-Prämie des Kaffeehandels aus dem Handelsjahr 2016/17, eine Summe von 5.000 US$, in ein Projekt investiert, das die Kinder der Produzenten und Produzentinnen in ihrem beruflichen Werdegang unterstützen und ihnen die Arbeit ihrer Eltern näher bringen soll. Das Stipendienprogramm ist ein neues Projekt der Kooperative und wurde in mehreren Sitzungen durch das Bildungsgremium ausgearbeitet. Ich, Layla, habe als Praktikantin bei COMBRIFOL eine aktive Rolle bei der Ausarbeitung zugeteilt bekommen und unterstütze die Planung und Dokumentation des Projekts für die MITKA.

Manche der Kinder der Produzenten und Produzentinnen wollen die Arbeit ihrer Eltern als Kaffeebauern fortführen, andere hingegen träumen davon einen anderen Beruf zu erlernen. Das Stipendienprogramm hat als Ziel, beide Wege zu befürworten, sodass die Kinder und Jugendlichen ihre persönlichen Wünsche verwirklichen können. Die Mitglieder der Kooperative, die aktiv in einem der Gremien oder im ökologischen Anbau und fairen Handel von Kaffee für den Export tätig sind, konnten jeweils für eines ihrer Kinder eine Bewerbung einreichen. Die Entscheidung, welche Schüler ein Stipendium bekommen, wurde durch das unabhängige Bildungsgremium der Kooperative getroffen. Gefördert werden Kinder mit überdurchschnittlich guten Noten in den letzten zwei Schuljahren (mehr als 80 % im honduranischen Notensystem). Dieses Entscheidungskriterium soll die Kinder für ihre Leistung belohnen und ihnen eine Motivation für ihren weiteren Bildungsweg geben.

Das Stipendienprogramm unterstützt die Stipendiaten und Stipendiatinnen in zweierlei Hinsicht: Finanziell und ideell durch ergänzende Aktivitäten.

Zum einen werden die Schulgebühren durch das Stipendienprogramm übernommen. Die Kosten für die notwendigen Lernmaterialien, wie die Schuluniform und Bücher, sind für die Familien, die den indigenen Lenca angehören, oftmals schwer zu bezahlen. Zudem sind die Familien auf die Hilfe der Kinder bei der Arbeit angewiesen, um ausreichend Einkommen zu erwirtschaften. Dies begünstigt das Problem, dass viele Kinder die Schule gar nicht besuchen oder diese so früh wie möglich - nach der 6. Klasse - verlassen. Dementsprechend ist das Bildungsniveau in den ländlichen Regionen von Honduras sehr niedrig. Das Stipendienprogramm soll dazu beitragen, dass die Jugendlichen die Schule nicht abbrechen, um zu arbeiten, sondern in der Schule bleiben, einen höheren Bildungsabschluss und dadurch mehr Wissen und mehr Chancen erlangen.

Zum anderen besteht das Stipendienprogramm aus zusätzlichen Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit. Über das Schuljahr hinweg gibt es verschiedene Veranstaltungen, die die Kinder und Jugendlichen mit der Natur und Kultur ihres Landes vertraut machen sollen. Die Arbeit in der Landwirtschaft und mit der Natur steht dabei im Mittelpunkt. Die Kinder und Jugendlichen sollen lernen, wieso es wichtig ist, Pflanzen zu pflegen und Müll nicht achtlos wegzuwerfen. Gerade weil Honduras ein Land ist, das den Klimawandel zu spüren bekommt, ist es wichtig, dass die zukünftigen Generationen für dieses Thema sensibilisiert werden. Im Stipendienprogramm sollen sie einzeln und in der Gruppe spielerisch und interaktiv lernen, welche Bedeutung das Zusammenspiel zwischen Menschen und der Natur hat. Außerdem sollen Werte, die für die Arbeit in einer Kooperative zentral sind, gefördert werden - Zusammenarbeit, Teamgeist, Verantwortung und Vertrauen. Diese Werte tragen zur persönlichen Entwicklung der Kinder und Jugendlichen bei und unterstützen auch die positive Entwicklung des Gemeinwesens in ihrem Land.

Weiter ist es ein Ziel des Stipendienprogramms, den Kindern und Jugendlichen verschiedene Berufsperspektiven zu eröffnen, die zum Wohlbefinden ihrer Familien, ihrer Gemeinde und der honduranischen Bevölkerung im Allgemeinen beitragen können. Da wie beschrieben nur wenige Jugendliche die Schule abschließen oder ein Studium aufnehmen, strebt das Stipendienprogramm an, im kommenden Jahr gezielt Abiturienten bei der Aufnahme eines Studiums zu unterstützen. Honduras ist ein Land mit einem fragilen staatlichen System und fehlenden Institutionen – deshalb ist die Zusammenarbeit mit der MITKA eine wichtige Unterstützung für die Kooperative.

Ein Ziel der generellen Entwicklungszusammenarbeit ist es, die notwendigen Rahmenbedingungen und Handlungsmöglichkeiten für die Gesellschaft zu schaffen, um die Zukunft des Landes mitzugestalten. Ebendies soll durch das Stipendienprogramm langfristig gefördert werden – die Kinder der Produzentinnen und Produzenten sind die kommende Generation, die neue Chancen und Möglichkeiten haben, das Land nach ihren Vorstellungen zu verändern und zu entwickeln. Gerade im Zeichen des Fairen Handels verfolgt das Stipendienprogramm das Ziel, marginalisierte Gruppen in der Gesellschaft durch den internationalen Handel zu unterstützen, zur Integration in der Gesellschaft beizutragen und dabei gleichzeitig der Arbeit in der Landwirtschaft mehr Bedeutung und Anerkennung im nationalen und internationalen Kontext beizumessen.

Bei der ersten Veranstaltung des Stipendienprogramms wurden die Schüler und Schülerinnen, die ein Stipendium erhalten, ebenso wie ihre Eltern eingeladen, um ihnen zu gratulieren, ihnen den Scheck zu überreichen und ihnen das Programm in den kommenden Wochen vorzustellen. Bei der Veranstaltung waren 13 der insgesamt 25 Stipendiaten und Stipendiatinnen anwesend. Vor allem, da einige der Familien in abgelegenen Gebieten um Marcala leben, konnten nicht alle zu dem Termin erscheinen. Deshalb gibt es Anfang Oktober eine zweite Veranstaltung mit demselben Programm. Nichtsdestotrotz war es für die anwesenden Stipendiaten und Stipendiatinnen ein besonderes Ereignis und die Familien waren sehr glücklich und stolz darauf, für das Programm ausgewählt worden zu sein. Während der Besprechung war vor allem der Austausch von Ideen und Wünschen der Kinder und ihrer Eltern wichtig. Das Stipendienprogramm möchte gemeinschaftlich Aktivitäten erarbeiten, die für die Kinder und Jugendlichen hilfreich und wichtig sind und auch, dass die Vorstellungen der Eltern erfüllt werden. Nach dieser ersten Einführungsveranstaltung findet an zwei Tagen im Oktober die ersten Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen statt.

Da es für das Stipendienprogramm in diesem Schuljahr keine Altersbeschränkung gibt und Kinder von der 1. Klasse bis zum letzten Jahr des Bachilleratos vertreten sind, werden die Aktivitäten gezielt für jüngere und ältere Stipendiaten und Stipendiatinnen aufgeteilt. Während die jüngeren Kinder sich spielerisch mit Themen der Natur auseinandersetzen werden, ist für die Jugendlichen ein Workshop zum verantwortungsbewussten Umgang mit den natürlichen Ressourcen geplant. Details folgen 

In den nächsten Monaten wird es dementsprechend weitere Berichte über den Verlauf des Stipendienprogramms geben.


30 Oktober, 2016 - 22:09 - m.kersting