el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #11

Als wir nach dem Frühstück mit unserer Camionetta losfahren wollen werden wir darauf hingewiesen, dass unser Reifen platt ist. Anne geht mit unseren Töchtern schon mal zu UCPCO, während ich den Reifen wechsele. Dann kommt Paula mit dem Fahrer vorbei und wir fahren zu einer Werkstatt, wo sie uns in etwa 10 Minuten den Reifen reparieren, für umgerechnet etwa 1,5 US$.

Dann können wir losfahren zu unserm ersten Besuch einer Socia hier bei der UCPCO. Saida ist seit 10 Mitglied der Kooperative. Nebenher ist sie Promotorin für ein Programm zu gesunder Ernährung. Ihr Mann ist auch Mitglied einer Kooperative, allerdings nicht bei der UCPCO. Sie hat zwei Söhne, von denen einer studiert. Sie bewirtschaftet 3 Manzanas Kaffee, was nicht ganz wenig, aber eher eine kleine Anbaufläche ist. Die Roya hat den Ertrag um einiges reduziert. Ihren Pfücker_innen zahlt sie deutlich über dem Mindestpreis, zuzüglich essen. Der Techniker erklärt, dass dies damit zusammenhängt, dass von ihnen auch eine höherwertige Arbeit verlangt wird als bei konventionellen Produzent_innen, die ihren Kaffee auf der Straße verkaufen.

Als wir im Cafétal sind, erklären uns die Techniker, dass das Problem in Nicaragua ist, dass es hier auf nationaler Ebene keine Forschung zur Roya gibt. Auch an den Universitäten spielt Kaffee keine besondere Rolle. Sie sind auf sich selbst angewiesen, zu versuchen, welche Sorten mit welcher Behandlung am besten geeignet sind. Sie erklären uns auch, wie wir schon öfter gehört haben, dass es nicht die eine Erklärung für die derzeit so starke Ausbreitung der Roya gibt. Die Ernte 2010/11 war überdurchschnittlich gut und hierdurch waren die Pflanzen geschwächt. Dies hat es der Roya leichter gemacht, sich auf die Pflanzen zu setzen. Alte Pflanzen werden eher angegriffen, sehr gute Pflege hilft dagegen, einige Varietäten werden eher angegriffen als andere, einige sind resistent.

Wir verabschieden uns von Saida und ihrer Freundin, die auch 3 Manzanas Kaffee hat, allerdings nicht in der Nähe ihres Hauses, sondern 45 Minuten zu Fuß entfernt, was sie täglich zurücklegt und fahren zur Finca von Maria Asuncion, die wir schon bei unserer letzten Reise vor 2 Jahren besucht haben. Ihr Ertrag liegt mit 10 Quintal (46 kilo) je Manzana über dem der beiden, die wir zuvor getroffen haben, aber deutlich unter dem, was in Jahren ohne Roya erzielt werden kann. Sie hat 9 Kinder, die teilweise schon erwachsen sind. Dieses Jahr wurde alle Arbeit auf der Finca von der Familie erledigt. Ihr Cafetal sieht sehr gut aus. Es ist sehr gut gepflegt. Sie arbeitet eng zusammen mit den Technikern der Kooperative. Im Kampf gegen die Roya trägt sie eine Art „Aschebrühe“ auf die Blätter auf. Diese ist nicht teuer und leicht herzustellen, allerdings ist es recht arbeitsintensiv. Sie zeigt uns noch ihren Gemüsegarten, in dem sie Zwiebeln, Kohl, Tomaten und anderes für den Eigenverbrauch anbaut.

Das Mittagsessen nehmen wir in San Juan ein. Danach fahren wir Richtung Nordosten aus der Stadt zum Kooperativenhaus der Reynerio Tererino, einer der fünf Basiskooperativen der UCPCO. Sie ist benannt nach einem Kämpfer, der 1980 im Kampf gegen die von den USA finanzierte Contra gefallen ist. Auch hier waren wir auf unserer Reise vor zwei Jahren und haben ein Taller mit ihnen veranstaltet. Dort treffen wir Hector, den Vizepräsidenten, sowie einige Aktive aus der Basiskooperative. Das Gespräch zieht sich über 2,5 Stunden hin. Sie sind derzeit in einer schwierigen Lage. Die UCPCO hat so viele Schulden, dass sie kaum an Geld herankommen. Ohne Geld können sie aber auch nicht so viel Kaffee aufkaufen, wie die Mitglieder eigentlich produzieren. So können sie nicht genug Geld erwirtschaften, um die Schulden zurückzuzahlen. Sie überlegen sich derzeit, wie sie aus diesem Kreislauf ausbrechen können, ohne ihre Form der Organisation zu verlieren.

Mit dem Preis, den wir ihnen zahlen sind sie sehr zufrieden. Wir hatten im Frühjahr 2015 auf dem Treffen in Managua gemeinsam mit unseren Lieferanten beschlossen, den Mindestpreis von 140 US$ / QQ auf 160 US$ / QQ anzuheben. Zusammen mit der Bioprämie von 30 US$ / QQ, der Fairhandelsprämie von 20 US$ / QQ, der von uns zusätzlich gezahlten Kooperativenprämie von 5 US$ / QQ und dem derzeit bei 10 US$ / QQ liegenden Qualitätsdifferential (zuzüglich eines weiteren Aufschlags von 5 US$ / QQ bei einer außergewöhnlichen Qualität, was sie bei der letzten Ernte erzielt haben) liegt unser Preis derzeit bei 225 US$ / QQ bis 230 US$ / QQ.

In der Dämmerung fahren wir nach San Juan zurück, wo wir uns noch mit Isidro, einem der Techniker, in einer Tienda nach den Preisen für die Basislebensmittel erkundigen. Diese brauchen wir, um zu berechnen, wie viel wir den Kooperativen zahlen müssen, damit sie einen „angemessenen Lohn“ oder ein „Living Wage“ bekommen.

Anschließend verabschieden wir uns von allen und gehen zum essen in das nette Restaurant, welches wir vor zwei Jahren entdeckt haben. Danach kehren wir in unser Hotel zurück, arbeiten noch kurz und ruhen uns aus. Morgen geht es weiter nach Wiwili zur Providencia.


10 Februar, 2016 - 04:38 - m.kersting