el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #12

Wir sind in Wiwili, Das letzte Mal war ich hier vor vier Jahren. Wiwili hat eine Städtepartnerschaft mit Freiburg, die immer noch sehr aktiv ist. Ein Stadtviertel ist nach ihrer Partnerstadt benannt, allerdings ist dieser Name im Spanischen nicht so einfach auszusprechen. Aus Freiburg kamen auch zwei der deutschen Brigadisten, die in den 80er Jahren von der Contra ermordet wurden, Tonio Pflaum und Bernd Koberstein.

Nach unseren Panequeques zum Frühstück und nach dem Tanken an der provisorischen Tankstelle in San Juan haben wir uns auf den Weg nach Wiwili gemacht. Bis nach Quilali ist die Straße mittlerweile mit wenigen Ausnahmen gepflastert und gut befahrbar. Danach ist es eine Piste in weitgehend gutem Zustand. Was allerdings fehlt ist eine Ausschilderung. Wir müssen immer wieder nach dem richtigen Weg fragen. Da es keine Brücke gibt, die die beiden Ortsteile Wiwilis, die an den Ufern des Rio Coco liegen, verbindet, müssen wir zum Ende den Fluss an einer Furt durchqueren, um zur Kooperative La Providencia zu gelangen. Dies ist zur Zeit möglich. 9 Monate des Jahres muss man allerdings einige Stunden mit dem Auto fahren, auf über Estelí auf die andere Seite zu kommen. Dann können nur noch Fußgänger_innen und Motorräder mit den kleinen Kanus übersetzen.

Bei der Kooperative angekommen werden wir von der Geschäftsführerin Doña Ivania, dem Präsidenten Roman, dem Zuständigen für den Aufkauf des Kaffees, genannt „el Gato“ (die Katze) sowie dem Verantwortlichen für die Biozertifizierung Salomon, genannt „Foxi“, begrüßt. Ramon hat an dem Taller in Managua teilgenommen. Das Kooperativengebäude ist gerade erweitert worden.

La Providencia ist eine der 11 Basiskooperativen der UCA Cecocafen. Sie haben 359 Mitglieder, darunter 44 Frauen. Sie exportieren allerdings direkt an uns. Sie erklären uns, dass das Kooperativenwesen in der Region von Wiwili seine Wurzeln hat. Salomon (den die anderen auch als „Gitarre“ bezeichnen, in Anspielung darauf, dass er so viel redet, wenn er einmal in Schwung kommt) hält eine flammende Rede für die Vorteile der ökologischen Produktion. Wieder einmal zeigt sich, dass es einige Produzent_innen von Biokaffee gibt, die diese Produktionsform nicht nur aus ökonomischen Gründen gewählt haben.

Nach dem Treffen brechen wir auf, um die Finca von Doña Innacia zu besuchen, die das Amt der Vizepräsidentin der Providencia ausübt. Dies ist ihr nur deshalb möglich, da ihr Mann sie darin unterstützt. Um zu der Finca zu gelangen, müssen wir erst etwa eine halbe Stunde über eine schlechte Piste fahren.Der Abstieg von der Straße zur Finca dauert etwa eine viertel Stunde und ist nur zu Fuß oder mit dem Pferd möglich. Sie ist wunderschön aber auch sehr einsam im Tal an einem kleinen Bach gelegen. Die Finca hat sie vor etwa 20 Jahren aus dem Erbe ihres Vaters bekommen, der ein größeres Stück Land hatte und dies zu gleichen Teilen seinen 8 Kindern vermacht hat.

Die Finca ist sehr gepflegt. Die 4 Manzanas Kaffee sind gerade alle erneuert und die neuen Pflanzen haben dieses Jahr erstmals eine Ernte eingebracht. An den Wegen, die durch die Parzelle verlaufen, sind Mülleimer aufgestellt. Doña Innacias Mann erklärt uns, dass die Wege öffentlich genutzt werden und sonst immer sehr viel Müll herumliegt. Wir sind alle begeistert von der Finca. Salomon hat unterwegs Kaffee in unterschiedlichen Stadien gesammelt und baut eine kleine Schulungsstrecke für uns auf: vom Setzling, unterschiedlich großen Pflanzen, der ersten Knospe über die Blüte, die unreife, die reife Kirsche, den vom Fruchtfleisch befreiten Kaffee, den Pergamino bis zum Café oro. Später kommt noch gemahlenes Pulver und eine Tasse mit aufgebrühtem Kaffee dazu.

Doña Innacia lädt uns zum Essen ein. Zuvor wird uns in der Küche gezeigt, wie die Speisen auf dem mit Holz betriebenen Herd zubereitet werden. Es gibt Reis, Bohnen, Kochbanane, Yukka und Käse, dazu einen exzellenten Kaffee. Zum Nachtisch gibt es aus Maismehl zubereitete Rosquilas. Anschließend müssen wir noch Bananen mit Kaffee probieren. Diese Kombination wird hier oft zum Frühstück konsumiert, wobei die Banane das Brot ersetzt und mit dem Kaffee im Mund gemischt wird. Es ist wirklich lecker.

Sie zeigen uns noch ihre Solaranlage, mit der sie wahlweise ihre Lichter oder den Fernseher betreiben, in dem sie sich gerne Telenovelas anschauen.

Wir steigen den Weg hinauf bis zur Straße und fahren zunächst weiter Richtung Norden bis auf etwa 1400 Meter. Von dort hat man einen wunderschönen Blick über die verschiedenen Bergketten. Wir halten an einem Wasserfall, an dem das Wasser aus den Felsen kommt und Trinkwasserqualität hat. Es schmeckt sehr gut.

Mit der einbrechenden Dunkelheit erreichen wir wieder Wiwili und fahren zu unserm Hotel, wo wir uns kurz ausruhen. In großen Teilen der Stadt ist der Strom ausgefallen und es ist stockdunkel.

Nach einer halben Stunde brechen wir auf zu dem Restaurant an dem Fähranleger, von wo aus die Boote zur anderen Stadthälfte ablegen. Zunächst wollen sie uns das Essen nicht anbieten, da es stockdunkel ist. Salomon stellt dann sein Motorrad mit laufendem Motor neben die Terrasse und wir dürfen doch bleiben. Kurz bevor wir aufgegessen haben kommt der Strom zurück. Während des Essens erzählt uns Doña Ivania, dass sie in den Vorstand des Símbolo de los Pequeños Productores gewählt worden ist. Dies ist für uns sehr spannend, da wir bei der Mitka auf den letzten Sitzungen darüber gesprochen haben, ob wir uns vom Símbolo zertifizieren lassen sollen. Derzeit sieht es eher so aus, dass wir uns der WFTO anschließen werden. Es gibt allerdings auch Versuche, die beiden zusammenzubringen. Für das Símbolo wäre der Vorteil, dass die WFTO weiter verbreitet ist. Für die WFTO wäre der Vorteil, dass die eigenen Erfahrungen mit Agrarprodukten eher gering sind.

Zurück im Hotel fallen wir erschöpft ins Bett. Es ist ein sehr spannender, aber auch sehr anstrengender Tag gewesen.

Morgen werden wir uns noch mal mit Doña Ivania im Büro treffen. Mittags wird es dann auch schon weiter gehen nach La Paz de Tuma, wo wir uns mit Soppexcca treffen werden.


11 Februar, 2016 - 16:30 - m.kersting