el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #13

1989 war ich 6 Wochen in La Colonia. Heute Nacht sind wir in La Paz de Tuma, dem Nassbeneficio und Schulungszentrum von Soppexcca. La Colonia ist nur 3 Kilometer von hier entfernt und die Landschaft, die Luft, die Leute erinnern mich an meine Zeit damals hier in den Bergen, als der Krieg der Contra auf sein Ende zuging.

Heute morgen sind wir nach unserem Frühstück mit Reis, Bohnen, Banane, Käse und Ei zum Büro der Providencia gefahren. Dort haben wir uns mit Doña Ivania und dem Geschäftsführer José Ramon getroffen. Ein Thema war, wie sich neue Personen in die Kooperative integrieren. Sie müssen 18 Jahre alt sein, eine Auskunft über ihre Kreditwürdigkeit vorlegen, eine Aufnahmegebühr von 80 Cordoba zahlen, eine Einlage von 700 Cordoba (die sie auf 3 Raten verteilen dürfen), müssen einen Besitztitel für ihr Land haben und Kaffee produzieren. Außerdem müssen sie eine Kooperativenschulung belegen, die vom zuständigen Ministerium angeboten wird. Eine maximale Größe der Anbaufläche für Kaffee gibt es nicht, aber Landeigentümer_innen mit mehr als 20 Manzanas haben sowieso kein Interesse an Kooperativen. Sie stehen dem Kooperativenwesen eher kritisch gegenüber.

La Providencia ist eine Bilderbuchkooperative. Die Mitglieder sind sehr verantwortungsbewusst. Gleichzeitig sind auch die mit Führungspositionen betrauten Personen sehr bescheiden. Sie arbeiten mit einem Verwaltungssystem, welches ihnen von CECOCAFEN zur Verfügung gestellt wird und für alle Kooperativen in Nicaragua entwickelt wurde. Dieses Programm mit dem Namen Asis wird allerdings von den wenigsten angewandt. Es erlaubt, sehr einfach übersichtliche Aufstellungen zu erstellen, die eine höchstmögliche Transparenz sicherstellen. Von den 11 Basiskooperativen der CECOCAFEN verwendet nur eine weitere Kooperative dieses Programm. Wir bekommen von Salomon noch eine perfekte Aufstellung der Produktionskosten für ein Quintal Kaffee, einmal angelehnt an der Realität, einmal an einer idealen Produktionsweise. Mit dieser Aufstellung können wir anhand der Datei der WFTO zur Berechnung eines Preises, der ein würdiges Leben ermöglichen soll, weiterkommen.

Zum Abschluss besuchen wir den Kooperativenladen, der mit Spendengeldern des Heidelberger Partnerschaftskaffees und Teilen der Kooperativenprämie der MITKA aufgebaut worden ist. Hier erfragen wir wie schon in San Juan die Preise der Lebensmittel, die im Warenkorb enthalten sind, um uns ein unabhängiges Bild von den Lebenshaltungskosten machen zu können.

Wir verabschieden uns und brechen auf nach La Paz de Tuma. Bis Pantasma ist die Straße mäßig, aber viel besser als vor vier Jahren, als wir 2 Stunden aufgehalten wurden, da ein LKW in der Mitte der Straße feststeckte. Ab Pantasma ist die Straße dann gepflastert. Wir fragen uns durch bis nach La Paz de Tuma und kommen gegen 16 Uhr noch vor den Vertreter_innen der Soppexcca dort an. Wir schauen uns um und unterhalten uns mit dem sehr netten Wachmann, der die Anlage das ganze Jahr durch betreut.

La Paz de Tuma war in den 80er Jahren ein Großprojekt von Teilen der Solidaritätsbewegung.Es sollte eine zentrale, große Verarbeitungsanlage für Kaffee entstehen. Lange Jahre hat sich nichts getan, bis die Anlage von Soppexcca aufgekauft wurde und in ihrer heutigen Form als wassersparendes Nassbeneficio und Schulungszentrum fertiggestellt wurde.

Als die vier von Soppexcca eintreffen, drei aus dem Vorstand und der Verantwortliche für den Export, setzen wir uns zusammen und sprechen über die aktuellen Entwicklungen. Soppexcca hat bereits vor einiger Zeit mit dem Anbau von Kakao begonnen. Sie erklären uns die Verarbeitungsschritte des Kakaos und bringen uns fertig fermentierte und getrocknete Kakaobohnen, die wir knabbern und die uns sehr gut schmecken. Gestern hatten wir bei der Providencia auf dem Land frische Kakaobohnen aus der Frucht probiert, die in süßem Fruchtfleisch stecken und sehr bitter sind und noch nicht den typischen Kakaogeschmack haben. Diese hier sind köstlich. Wir sprechen über Preise, die Roya, die Erträge, den Bioanbau und die Arbeit im Vorstand.

Kurz nach Sonnenuntergang gibt es das Abendessen: Gallo Pinto (Reis mit Bohnen), Käse, Ei, Banane und Tortilla, dazu Kaffee. Bald darauf verabschieden sich die vier und fahren zurück nach Jinotega. Wir bleiben auf eigenen Wunsch hier in den Bergen und gehen sehr früh zu Bett. Vom Dorf herüber hören wir noch lange den Prediger der Evangelikalen Gemeinde, der schon seit Stunden redet und schreit, immer wieder unterbrochen von Gesängen.

Morgen früh werden wir gegen 7 Uhr aufbrechen nach Jinotega, das eine Autostunde von hier entfernt liegt und die Schokoladenmanufaktur besuchen, von der wir letztes Jahr erstmals eine kleine Menge Schokolade importiert haben.


12 Februar, 2016 - 16:10 - m.kersting