el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #14

Morgens um 5:30 Uhr krähen die Hähne und das Licht geht an. Die Dusche ist gar nicht so kalt wie erwartet. Kurz vor 6 wird es hell, aber durch den Nebel ist alles milchig und feucht. So habe ich diese Region auch noch in Erinnerung. Die Nacht war sehr ruhig und es war angenehm, mal nicht im Schatten eines Funkmastes einer der beiden Telefongesellschaften zu schlafen. Irgendwann hatte auch der Pastor seine Messe beendet, nachdem er sich zuvor in Trance geschrien zu haben schien.

Nach unserem Frühstück, es gab keine Banane, ansonsten das Übliche, haben wir uns noch die Anlage zur Naßverarbeitung des Kaffees in La Paz de Tuma angeschaut, Diese Anlage hat Soppexxca dort gebaut, um den Kaffee von Kleinproduzent_innen aus der Region verarbeiten zu können. Die Anlage arbeitet besonders wassersparend.

Kurz nach 8 Uhr brechen wir nach Jinotega auf. Um 9 Uhr kommen wir in der Officina von Soppexcca an. Anwesend sind einige Techniker, Mitglieder des Vorstands – nun auch der Präsident Mayorga - , Otmar, der seit vielen Jahren in Nicaragua lebt, 1989 die Brigade betreut hat, mit der ich hier war und der das Seminar im Frühjahr in Managua moderiert hat sowie Fatima, die Geschäftsführerin der Kooperative.

Die Technikerin Margarita gibt zunächst eine kurze Präsentation über die Stipendiaten der Soppexcca, die von dem Heidelberger Partnerschaftskaffee gefördert werden. Es sind 24 Jugendliche, in der Mehrzahl Mädchen, die in unterschiedlichen Stufen des Programms sind. Die Jugendlichen müssen sich verpflichten, sich vernünftig und zuverlässig zu verhalten, außerdem müssen sie ein gewisses Niveau an Noten erreichen. Liegen sie darunter, gibt es ein Gespräch mit Ihnen und den Eltern und es wird nach den Ursachen gesucht. Liegt es an Krankheit oder außergewöhlichen Umständen, so wird nach einer Lösung gesucht. Lassen sich die Gründe nicht erklären, läuft die Unterstützung aus.

Im Anschluss nehmen wir ein Thema des Seminars in Managua wieder auf und sprechen über die Frage des gerechten Preises. Wir schauen uns eine Kalkulation über die Kosten der Kaffeeproduktion an und gehen die einzelnen Positionen durch. Fatima spricht selber das Problem an, dass alle Kooperativen die Kosten unterschiedlich berechnen und das auf Ebene der CLAC (Caribbean Network of Fair Trade Producers) derzeit versucht wird, ein einheitliches Format zu finden. Wir sprechen auch über den Warenkorb, die Familiengröße (5,6 in Nicaragua, 6,2 auf dem Land), Preise und Löhne. Es stellt sich heraus, dass bei den Arbeitskosten für die Ernte zwar der Lohn für die Pflücker_innen berücksichtigt ist, aber nicht die Kosten für das Essen. Dies gibt es aber traditionellerweise in Nicaragua fast immer zum Lohn dazu und muss natürlich auch bei den Kosten berücksichtigt werden. Ebenso sind die Kosten der Techniker nicht einberechnet, die von der Kooperative getragen werden. Im Gegensatz zu der Kalkulation der Providencia, die wir am Tag zuvor bekommen haben, sind hier allerdings die Kosten der Landnutzung eingerechnet mit einer fiktiven Miete für die Anbaufläche. Übereinstimmende Meinung ist, dass es wichtig ist, einen Preis zu ermitteln, den es wirklich kostet, ein Quintal Kaffee zu produzieren. Dieser Preis kann aber bei einem Produkt wie Kaffee, das an der Börse gehandelt wird, mehr als Orientierung in Verhandlungen dienen und nicht als Vorgabe für Verträge. Es steht uns auf jeden Fall noch viel Arbeit bevor.

Ein Thema ist noch mal die Diversifizierung und der Anbau von Kakao. Sie versprechen uns , dass der erste Container, der verschifft wird, an el puente verkauft werden soll. Dann könnten auch wir Kakao aus Nicaragua anbieten. Auch Honig wird hier produziert. Derzeit ist die Menge aber noch recht gering und wird komplett auf dem lokalen Markt verkauft. Interessant sein könnte für uns ein Sortenreiner Honig, eventuell sogar aus Kaffeeblüten. Wir weisen aber darauf hin, dass im Moment mit Honig auf dem lokalen Markt bessere Preise zu erzielen sind und es ja auch eine Nachfrage gibt und ein Export somit gar keinen Sinn macht.

Mittags gehen wir im los Olivos essen. Hier waren wir bereits mit den Teilnehmer_innen des Seminars im Juni, als wir Soppexcca besucht haben. Zurück im Büro trinken wir einen sehr leckeren Cortado im Cafetin. Anne beschwert sich, da wir „nur“ eine Blume in unseren Kaffee gegossen bekommen haben, Paula dagegen ein Herz. Der Barista lächelt nur.

Danach begrüßen uns Heydi, Evert und Haris in der Schokoladenmanufaktur. Heydi ist nicht Tochter von Socios, sondern über entfernte Verwandte zu dem Projekt gekommen. Evert und Haris sind Söhne von Socios und Haris war auch im Programm der Stipendiaten. Angefangen haben sie vor drei Jahren mit 10 Jugendlichen. Die anderen sind im Laufe der Zeit ausgestiegen. Mittlerweile trägt sich das Projekt weitgehend. Sie müssen nicht mehr Klinken putzen, um Verkaufsstellen zu finden. Jetzt kommen die Interessent_innen zu ihnen. Wir besprechen die Probleme bei der letzten Verschickung zu uns und beschließen, dass wir es noch einmal mit verbesserter Verpackung versuchen wollen. Sie geben uns eine Probe ihrer neuesten Kreation: Schokolade mit Cornflakes. Köstlich! Derzeit lohnt es sich für sie aber noch nicht, diese zu produzieren, da sie hierfür eine eigene Maschine zur Herstellung von Kakaobutter bräuchten. Der Zukauf von Kakaobutter ist sehr teuer. Ab Mai werden wir wieder Schokolade von dem Projekt bei uns anbieten können.

Wir kaufen noch ein wenig Schokolade und Kuchen ein im Cafétin, verabschieden uns von allen und fahren ins Hotel Central. Den Nachmittag über haben wir frei. Wir unternehmen noch einen Rundgang durch Jinotega. Die Stadt ist recht touristisch. Zum Abendessen fahren wir noch mal mit dem Auto zum Los Olivos, da unsere Töchter der Ansicht sind, dass dieses Restaurant das Beste der Reise ist (Mozarellasticks und Salat). Danach „cruisen“ wir zurück zum Hotel und arbeiten noch kurz. Wir sind sehr müde, da wir ja sehr früh auf den Beinen waren.

Morgen geht es weiter nach Estelí, wo wir noch einen Tag Pause haben werden. Diesen brauchen wir aber auch dringend, um die letzten Treffen nachbearbeiten und die letzten Besuche vorbereiten zu können.


13 Februar, 2016 - 05:58 - m.kersting