el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #16

Nach dem Frühstück mit Kuchen und Panequeques – Esteli ist eine sehr touristische Stadt – holen wir unsere Caminetta aus der Garage und brechen auf zur Guardabarranco. Den Weg finden wir ohne Probleme und da ein Teil des Weges mittlerweile auch gepflastert ist sind wir schneller als vermutet. Nur der letzte Abschnitt fordert nach wie vor einiges von dem Auto und den Mitfahrenden.

Bei der Kooperative angekommen begrüßen uns Francisco und Alfredo, die derzeit die Gruppe der Biokaffee produzierenden Soci@s vertreten sowie Dinora, Victor und Pablo aus dem Vorstand und der Junta de Vigilancia. Der Vize-Präsident Arnulfo ist ebenso wie die Bio-Promotorin Karla nicht anwesend. Etwas später kommt noch Luis, der Sohn von Marcio, der derzeit seine Finca betreut, hinzu.

Alfredo hat auf Annes Bitte hin einen Beamer mitgebracht. So können wir nach einer kurzen Vorstellungsrunde und einem kurzen Austausch eine Präsentation über die MITKA und eine über el rojito halten. Diese hatten wir vor zwei Jahren für unseren Besuch bei der UCPCO vorbereitet und für diese Reise noch mal überarbeitet. Die Präsentationen werden aufmerksam verfolgt. Danach sprechen wir über die Zukunft der Kooperative nach Marcios Tod. Alfredo bemerkt, dass die starke und charismatische Rolle von Marcio in der Kooperative die Stärke der Guardabarranco gewesen sei, aber auch ihre Schwäche. Sie versuchen derzeit, alles zu sichten und so zu ordnen, dass es transparent ist. Die Auszahlung der Vorfinanzierung hat problemlos funktioniert. Hierüber zeigen sie uns eine Dokumentation. Das Accopio des Kaffees funktioniert auch. Einige Soci@s haben allerdings dieses Jahr zumindest einen Teil ihres Kaffee an die Straßenhändler verkauft, da sie Geld brauchten und nicht wussten, wie es mit der Kooperative weitergeht. Wir zeigen hierfür Verständnis in der aktuellen Situation, weisen aber darauf hin, dass dies normalerweise nicht in Ordnung ist.

Nach dem Treffen bringt eine Nachbarin das Mittagessen vorbei, dazu Tamarindensaft, und wir essen gemeinsam. Danach fahren wir hinter Luis her zu Marcios Finca. Dort treffen wir seine Frau und seine beiden großen Töchter, die eine Ärztin, die andere Medizinstudentin. Luis führt und durch das Cafétal, dass er von seinem Vater geerbt hat.

Er hat einiges an Kaffee abgeliefert, allerdings wesentlich weniger als Marcio vor seiner Erkrankung zugesagt hat. Dies liegt daran, dass zu Beginn der Ernte alles unklar war und er keine Pflücker_innen gefunden hat, die in der unklaren Situation bei ihm arbeiten wollten. Dies scheint jetzt aber geklärt zu sein. Morgen werden 12 Pflücker_innen, alle aus der Nachbarschaft, bei ihm anfangen, und die übervollen Kaffeesträucher abernten. Sie erhalten dafür einen Lohn von 40 Cordoba, allerdings ohne Essen, was über dem Mindestlohn in Nicaragua liegt. Er will auf jeden Fall sein Studium beenden und nicht dauerhaft auf der Finca leben. Es macht es im Moment vor allem deshalb, da es Marcios Wunsch war, dass die Finca weitergeführt wird. Ob er Socio der Kooperative werden will bleibt offen. Er unterstützt im Moment auch noch die beiden kleinen Töchter Marcios, die wir bei unseren letzten Besuchen kennen gelernt haben. Es gibt noch mal Kaffee, Rosquilas und Ananas, danach verabschieden uns und fahren mit Blas zu dem Haus von Karla, der Bio-Promotorin. Sie ist leider nicht da und wir können sie nur über die beiden jungen Töchter Marcios grüßen lassen .

Die Rückfahrt nach Estelí von der Guardabarranco gehört immer zu den besonderen Momenten der Reisen nach Nicaragua: die verschiedenen Bergketten in der untergehenden Sonne sind wunderschön. Wir halten mehrmals auf der Strecke an, um die Aussicht zu genießen.

Zurück in Estelí bringen wir das Auto in die Garage und gehen nach einer kurzen Pause im Hotel zum Mexikaner essen. Der Kellner hat sehr viel Geel im Haar, kann sich aber leider ausgerechnet unsere Bestellung nicht merken und so warten wir noch auf unser Essen, als alle Tische um uns herum schon längst neu besetzt sind. Danach schlendern wir zurück durch die Stadt und schreiben die Erlebnisse des Tages auf.


15 Februar, 2016 - 05:20 - m.kersting