Combrifol – Aromatische Bohnen aus dem letzten Zipfel von Honduras

Im äußersten Westen von Honduras, direkt an der Grenze zu El Salvador, leben die Kleinbauern der Kaffee-Genossenschaft Combrifol. Die Region, die einst zu El Salvador gehörte, wird von der Politik stiefmütterlich behandelt. Doch hier wächst unter schwierigen Bedingungen ein exzellenter Kaffee.

Die Cuma, das gebogene, leicht sichelförmige Messer, hält José de la Paz Romero locker in der Hand. Heute ist kaum etwas zu tun auf seiner kleinen Kaffeeplantage. Es ist Ende November und der 26-Jährige macht mit ein paar befreundeten Kaffeebauern aus seiner Gruppe einen Kontrollgang: inspiziert hier und da ein paar Blätter auf die Sporen vom Kaffeepilz, prüft die Bodenfeuchtigkeit und kontrolliert die dicken Kaffeekirschen, die an den Zweigen hängen. Einige sind grün, andere schon leuchtend rot. „Zwei Wochen sind es noch, dann beginnen wir mit der Ernte“, meint er und schiebt den Hut mit der breiten Krempe in den Nacken.

José de la Paz Romero lebt in El Mono, einem kleinen Weiler im Landkreis Nahuaterique in Honduras. Direkt an der Grenze zu El Salvador liegt das Dorf und von seinem an einem Steilhang liegenden Kaffeefeld sind es nur vier, fünf Kilometer Luftlinie ins Nachbarland. In langen Reihen stehen die jungen Kaffeesträucher am terrassierten Hang, ein Drittel hat er vor einem Jahr angepflanzt, ein weites Drittel vor zwei Jahren und die größten Pflanzen, deren Äste die dicken Kirschen kaum mehr tragen können, vor gut drei Jahren. Für den kräftigen, mittelgroßen Mann mit dem kecken Kinnbart ist es die erste Ernte auf der neuangelegten kleinen Plantage. Er ist gespannt, ob sich die harte Arbeit der letzten drei Jahre rentieren wird.

Das gilt für nahezu alle Mitglieder aus der Gruppe „Nuevo Renacer El Mono“. Der Name, soviel wie „Neue Wiedergeburt El Mono“, kommt nicht von ungefähr, denn die abgelegene Grenzregion zählt zu den vergessenen von Honduras. Hier kommt kaum staatliche Unterstützung an und ein Beweis dafür ist die Buckelpiste, die El Mono mit dem Rest des Landes verbindet. Die ist so mies ist, dass sie in der Regenzeit nicht zu befahren ist. „Wir sind hier ziemlich abgehängt“, gibt Abdon Ventura schulterzuckend zu. Er ist einer von 21 Bauern, darunter drei Frauen, die sich in der Gruppe von El Mono zusammengeschlossen haben.

Die helfen sich gegenseitig, koordinieren die nötigen Transporte von und zu den Parzellen, wo die buschigen Sträucher mit den Kaffeekirschen stehen. Das ist die einzige Chance für die Kleinbauern, um zum Bespiel den selbst zusammengestellten Biodünger zu den Feldern zu bringen. Eigene Fahrzeuge haben die Bauern, die oft auf weniger als einen Hektar Kaffee anbauen, nicht.

„Das funktioniert und wir haben direkt neben dem Dorf auch eine kleine Anlage zum Schälen der Kaffeekirschen und zum Trocknen der Kaffeebohnen gebaut“, sagt Ventura. Er ist gewählter Sprecher der Gruppe, gehört wie die meisten der indigenen Ethnie der Lenca an und engagiert sich im Dorf und bei Combrifol. So lautet die Kurzform für Cooperativa Mixta „Brisas de la Frontera“ (Gemischte Genossenschaft „Brise der Grenze“). Der blumige, optimistisch anmutende Name ist Programm, denn gemeinsam wollen die Kleinbauern dem Kreislauf der Armut entfliehen und ihre eigene Zukunft gestalten – mit Kaffee. Der ist neben dem Honig das einzige Produkt, welches sich aufgrund der miesen Infrastruktur vermarkten lässt. Dabei ist die eigene Schäl- und Trockenstation ein wichtiger Schritt in die Zukunft.

Neuanfang nach dem Kaffeepilz

Die hat zur Hälfte die Genossenschaft finanziert, die andere Hälfte haben die Kleinbauern selbst aufgebracht, um den Neuanfang nach eher miesen Ernten in den letzten Jahren voranzutreiben. Die kleine Anlage kommt bei der Ernte in diesem Jahr zum ersten Mal zum Einsatz und das Gros der Kaffeekirschen, die dort geschält und getrocknet werden wird, stammen von jungen Kaffeesträuchern. „Wir haben die Kaffeesträucher in den letzten vier, fünf Jahren nahezu komplett ausgetauscht. La Roya hat viele der alten Pflanzen kaputt gemacht“, erklärt Abdon Ventura und deutet wie zum Beweis auf die kleinen Pflanzen, die Kollege José de la Paz Romero in diesem Frühjahr angepflanzt hat. Letzter ist der Sohn von Atilio Romero, einem der Gründungsväter von Combrifol, der mittlerweile zu alt ist, um noch auf dem Feld zu stehen. Nun tritt sein Sohn, der nebenbei Möbel baut, in seine Fußstapfen.

Die Setzlinge für die Neuanlage der kleinen Plantage hat Combrifol geliefert und heute sind Eduardo Caceres, der Geschäftsführer, und Jorge Rivas Hernández, der Agrartechniker, vor Ort, um sich ein Bild der Situation zu machen. Sichtlich beeindruckt sind die beiden davon, wie gut die neuen jungen Pflanzen tragen und wie gering der Befall mit dem Kaffeepilz „La Roya“ ist. „Die Genossen haben ihre Hausaufgaben gemacht“, lobt der 42-Jährige Caceres, der die Genossenschaft vor 14 Jahren mitbegründete. In den nächsten Jahren hofft er auf steigende Erträge, weil weitere Flächen in Produktion gehen werden – so wie die von José de La Paz Romero. Aber auch Abdon Ventura und Yudith Roxana Romero haben zusätzliche Flächen im Schatten des Kiefernwaldes angelegt, die in ein bis zwei Jahren die ersten Kaffeekirschen tragen werden. Positive Aussichten für die Bauern nach drei schwierigen Jahren.

Doch die guten Aussichten werden getrübt durch den Kaffee-Weltmarktpreis. Der liegt derzeit mit einem US-Dollar pro amerikanisches Pfund von 456 Gramm (21.12.2018) so niedrig, dass die Produktionskosten noch nicht einmal gedeckt sind, so Caceres. Für die Kaffeebauern rund um den Globus ist das ein Desaster. Die Genossen von Combrifol haben hingegen das Glück feste Abnehmer wie die Mitka (Mittelamerika Kaffee Im- und Export GmbH) und Flying Rosters aus Berlin zu haben, die faire Preise zahlen. „Sonst könnten wir den Laden jetzt dicht machen“, sagt Eduado Caceres ungewohnt deutlich. Die feste Partnerschaft sichert den Bauern die Existenz. Allerdings könnte sich der niedrige Weltmarktpreis nach der Ernte durchaus auswirken, denn ein Teil der Erträge wird in aller Regel auf dem freien Markt verkauft – dort ist der Preis an der Börse von New York die Messlatte.

Doch darüber wollen sich die Bauern der Gruppe „Nuevo Renacer“ kurz vor dem Ernteauftakt noch keine Gedanken machen. „Vielleicht sieht es in drei, vier Monaten auf dem Weltmarkt ganz anders aus“, hofft Abdon Ventura und schreitet der Gruppe voran zu seiner Parzelle. Obendrein hofft Ventura insgeheim, dass die Qualität der Bohnen in diesem Jahr so gut sein könnte, dass sich auch andere faire Röster für den Kaffee aus dem letzten Winkel von Honduras interessieren könnten. Dann müsste er nicht eine Bohne zum Weltmarktpreis verkaufen.

(Text und Fotos: Knut Henkel)