Donnerstag 7. Mai 2020

E-Center St. Pauli

Holst & Meyer

Neuer Kamp 31

Rindermarkthalle

20359 Hamburg

Eigentlich wollten wir Euch ja zum 40 jährigen Jubiläum von Meyers Frischemärkten ein schönen Espresso oder Cappuccino aus unserem Segelkaffee kredenzen, aber aufgrund der Situation und der Maskenpflicht verschieben wir das mal in den Spätsommer. Stattdessen veröffentlichen wir hier nun immer ein paar Informationen wie es unseren Handels*partner*innen, der verschiedenen Kooperativen in den jeweiligen Anbauländern so ergeht, wie die Lage dort jeweils aussieht, in einer Momentaufnahme ntürlich und wie sich der Solidarische Handel in Zeiten der Pandemie gestaltet. Dabei spielt ja auch der Transport eine grosse Rolle. In diesem Falle die "Segel-Reise" des Fracht-Seglers Avontuur.

Heute wollen wir mit Euch die Erfahrungen von Shipmate Peggy von der Avontuur teilen. Sie bringt auch unseren Café Vela von Honduras nach Norddeutschland in Zeiten von Quarantäne und Grenzschliessungen. Aber lest selbst :

MEIN AVONTUUR – SHIPMATE PEGGY
"...Vor drei Monaten setzten wir unsere Segel Richtung Mittelamerika. Die Welt, die wir in Elsfleth (nahe Bremen) verließen, wurde abrupt eine völlig andere. Innerhalb weniger Wochen wandelte sich unser blauer Planet durch einen globalen „Shut-Down“: Pandemie Corona....

Der ersehnte Landgang nach unserer Atlantiküberquerung auf den Kleinen Antillen, in Marie Galante blieb uns verwehrt. Auf dem Atlantik waren wir noch ohne Internet und Netzanbindung. An unsere Vorstellungskraft gebunden mit der Hoffnung, dass sich die Situation an Land gebessert hatte.

Doch es kam anders als erhofft. Die schockierende Botschaft manifestierte sich. Der 24.03.2020 schuf für uns Gewissheit über die globalen Ausmaße. Die scheinbar grenzenlose Freiheit auf dem Segelschiff wurde zum Gegensatz. Kein Landgang, keinen Anker setzen. Für drei Stunden hieß es „Proviantaufnahme“ und leider nur eine gefüllte Gasflasche für die Weiterreise (zur Nahrungsmittelzubereitung).

Innerhalb dieser kurzen Zeit, hieß es, den Blick nach vorn auszurichten. Mutti, Vati und die Liebsten schnell kontaktieren. Die Familie und Angehörige beruhigen. Was blieb mir anderes übrig, so viele 1000 km entfernt voneinander? Panik? Oder ein wacher Blick mit Zuversicht und bestmöglichen Chancen zur Teamarbeit auf See. Einzelkämpfer überleben nicht, eine Gemeinschaft schon. Wir teilten innerhalb der Crew unser Wissen, unsere Emotionen, gaben uns Halt und arbeiteten weiter optimistisch mit aller Kraft an Deck.

Eilig brachten wir in Guadeloupe frische Nahrung an Bord. Ein Transporter ließ die Ladeluke über die Hafenmauer herunter, wir entpackten mit Handschuhen und Desinfektionsmitteln gewappnet die Ware und brachten sie in unseren Laderaum. Quarantäne, bis der möglicherweise anhaftende Virus nicht mehr gefährlich war. Frische Lebensmittel wuschen wir, ließen diese in Essig für 20 Minuten ruhen und spülten anschließend mit Wasser gründlich nach. Wir erhielten klare Anweisungen zur Gesundheitswahrung vom Kapitän: Hände waschen, kein Hautkontakt (achtet auf Augen, Gesicht), stets desinfizieren. Höchste Hygiene-Maßnahmen. Im Gummianzug (Ölzeug) nahm unser Köchin Giulia die Lebensmittel entgegen, die Crew packte gemeinsam an. Langärmlige Oberteile und Latexhandschuhe waren Pflicht.

Letztlich winkte uns unser Agent nach wenigen Stunden zum Abschied und hielt die Daumen hoch. Einen Schritt weit von der paradiesischen Insel entfernt. Er begleitete uns beim Auslaufen bis zum Ende entlang der Hafenmauer. Ein erwärmendes Zeichen des Zuspruchs.

Weiter ging es für uns ins Ungewisse. Unsere weitere Versorgung? Sterne, die es noch zu deuten gilt.

Doch behielten wir unseren Mut. Tauschten uns aus, wuchsen weiter zusammen. Den weiten Atlantik hatten wir mit reiner Wind- und Muskelkraft, mit unserer zuverlässigen Avontuur gemeistert. Im Einklang hielten wir unser Schiff weiter in Stand, befreiten sie von Rost, spleißten Seile, richteten den Kurs neu aus und segelten mit den Naturgewalten. Vertrauend auf die Entscheidungen und Erfahrungen unseres Kapitäns wurde unsere Crew zusehends stärker. Nicht nur unsere Körper wurden zäher und muskulöser, auch der Umgang mit unseren Ressourcen wurde feinsinniger. Trotz der Rationierung an Bord werden wir dank Giulia (The.Rolling.Galley) gesund und abwechslungsreich versorgt.

Nach drei Monaten befinden wir uns nun an der Küste von Honduras. Ration und Kaffeefracht erwarten uns, ist unsere nächste Chance auf unsere erste Handelsstation.

Wir werden voraussichtlich in wenigen Stunden, die endgültige Erlaubnis zur Hafeneinfahrt in Puerto Cortes erhalten. Dort gilt es 23 Tonnen Rohkaffee per Hand zu laden und Proviant zur Weiterfahrt nach Vera Cruz (Mexiko) an Bord zu nehmen. Kein Landgang. Über die Hafenmauer, per Paletten, von Hand zu Hand Sack für Sack (69 kg pro Sack, 369 Säcke, 23 Tonnen). In der Hoffnung, anschließend ankern und kurz verschnaufen zu dürfen, packen wir erneut an. Für fairen Handel, eine gerechtere Welt.

Aktuell wird der dreifache Preis (3 US $ / libra Kaffee) des Weltmarktes von Café Chavalo für den Kaffee aus Nicaragua gezahlt. Der Preis, der die Überlebensgrundlage für die Kaffeeproduzent*innen vor Ort absichert. Ein Preis, der zahlbar ist, der Absatz sowie Umsatz findet. Unsere Umwelt so behandelt bzw. wertschätzt, dass alle existieren können. Erde, Pflanzen- und Tierwelt, letztlich dadurch der Mensch.

Zusätzlich zu den anteilig 10 Tonnen Rohkaffee (269 Säcke) bezogen durch Jens Klein (Café Chavalo – Trink nicht irgendwas), werden noch 1000 Beutel Röstkaffee von Tierra Nueva lokal geröstet an Bord genommen.

Höchste Qualität darf und muss ein Kriterium für eine gesunde Zukunft werden: Biologisch, fair, mehr Wertschätzung und Wertschöpfung lokaler Produkte – verantwortungsbewusst..."
https://timbercoast.com/…/mein-avontuur-shipmate-peggy-wer…/

Café Vela
Vom Anbau bis zum Verkauf: Mit Café Vela übernehmen wir Verantwortung für einen solidarischen, ökologischen und nachhaltigen Handel. Auch wichtig dabei ist uns der Transport.
Dieser Kaffee wird mit dem Frachtsegler Avontuur von Mittelamerika nach Hamburg gebracht. Das Schiff wird mit Windkraft angetrieben und verbraucht nur bei lang anhaltender Flaute oder beim Einfahren in Häfen Treibstoff.
Völlig anders als bei den herkömmlichen Containerschiffen. Jedes von ihnen ist eine wahre Dreckschleuder. Auf jeder Fahrt verbraucht es so viele Schadstoffe wie fünf Millionen Autos auf gleicher Strecke und belastet dadurch Umwelt und Mensch erheblich.

Der Kaffee kommt aus Nicaragua von der Kooperative COSATIN / Tierra Nueva. Mit Tierra Nueva arbeiten wir schon lange und gut zusammen. Sie bauen hochwertigen Arabica Kaffee nach den Regeln des biologischen Anbauss an.

Manufaktur Röstung
Damit der Kaffee seinen Geschmack erhält, müssen viele Faktoren zusammenspielen. Am wichtigsten dabei ist neben der Qualität der Bohne die Röstung. Erst durch das Rösten können sich die Aromen, die wir am Kaffee so lieben, entfalten - über tausend Aromastoffe machen den Geschmack einer gerösteten Kaffeebohne aus.

Wir rösten den Café Vela in einem Trommelröster. Das ist die älteste noch gängige Methode der Röstung und die traditionelle Form der Langzeitröstung. In diesem Verfahren werden die Kaffeebohnen um ein Vielfaches langsamer und somit wesentlich schonender geröstet als bei der sonst üblichen Heißluftröstung. Das könnt Ihr schmecken.

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weitere Informationen
COSATIN / Tierra Nueva
Café Vela
https://www.el-rojito.de/tienda/caf%C3%A9-vela