Ankunft Café Vela

Fracht unter Segeln - Die AVONTUUR ist nach Hamburg zurückgekehrt

Am 18. Juni kam der Frachtsegler AVONTUUR von seiner sechsten Reise zurück. Das Schiff wurde im Museumshafen Harburg nach acht Monaten auf See und rund 13.000 Seemeilen erwartet, um dort mit Hilfe eines historischen Krans 60 Tonnen Stückgut auf traditionelle Weise zu löschen.
Die 101 Jahre alte AVONTUUR will Flaggschiff sein für ein Umdenken im schadstoffbelasteten Seetransportwesen, das stetig weiterwächst. Ziel der „Mission Zero“ ist es, umweltschonend und klimafreundlich all jene Güter nach Europa zu transportieren, die lokal nicht angebaut werden können, aber dennoch Teil unseres alltäglichen Lebens sind. Der Frachtsegler will so die Transportlücke zwischen biologisch und fair produzierten Waren und umweltbewussten Verbraucher:innen schließen und ein Bewusstsein für aktiven Klimaschutz im Konsumverhalten fördern.  
Gesegelte Güter sind ein Beitrag zu einer längst überfälligen Debatte: Zum zukunftsfähigen Wirtschaften zählt auch ein zukunftsfähiges Transportwesen. Kleine, engagierte Einzelinitiativen können die Probleme des schwerölbetriebenen Containerfrachttransports zwar nicht lösen, doch sie können – in einem Nischenmarkt – alternative Ansätze aufzeigen. Und sie können die Auseinandersetzung um notwendige politische Leitplanken anstoßen, die es für eine Umgestaltung des internationalen Gütertransports braucht – im Zeichen von Klimaschutz und der Achtung von Menschen- und Arbeitsrechten entlang der Lieferkette.

Nach harter Arbeit und mit vielen Tonnen Ladung an Bord freute sich die 15-köpfige Crew sehr, im Harburger Museumshafen einzulaufen. Am 18. Juni 2021 wurden über 60 Tonnen Stückgut aus Nicaragua, Honduras, Mexiko und von den Azoren in nur 4,5 Stunden und mit der Hilfe vieler freiwilliger Hände entladen. Bis unter den Lukendeckel war der Laderaum mit ökologisch produzierten und fair gehandelten Waren für die Unternehmen Café Chavalo, El Puente (Partner der MITKA), Segelwerk, Sol Nocturno Coffee, Teikei Coffee, EZA Fairer Handel, el rojito, Brigantes, Choco Del Sol, Herufek, Zotter Schokolade, echtöl, Inla Kesh und Mogens Hoirup gefüllt.
Die Ware wurde im Museumshafen Harburg mit der Unterstützung eines historischen Krans gelöscht. An Land halfen 40 Freiwillige dabei die 60 Tonnen Kaffee- und Kakaosäcke an Land zu bringen und für den Transport ins Lager vorzubereiten.

Die sechste Reise der AVONTUUR hatte es in sich

Wind, Wetter und Hafenbehörden haben auch dieses Jahr das Unterfangen faire und ökologische Waren möglichst emissionsfrei per Segelschiff zu transportieren auf eine harte Probe gestellt. Am Anfang der Reise machte die Pandemie die Pläne zunichte, Olivenöl aus Griechenland aufzunehmen und in Italien eine Kunstaustellung an Bord zu begrüßen. Im Februar segelte die AVONTUUR schließlich von den Kanaren aus über den Atlantik, um Kaffee, Kakao und Rum aus der Karibik und Lateinamerika zu laden.
Die Beladung in Honduras wurde zur Zitterpartie. Hier warteten rund 40 Tonnen Kaffee auf ihre Verladung. Doch die Behörden verweigerten zunächst ihre Zustimmung. Es zeigte sich erneut, wie sehr die weltweiten Prozesse auf die Arbeit mit standardisierten Containern ausgerichtet sind. Denn die Verladung der losen Kaffeesäcke sorgte nicht zuletzt bei der Drogenpolizei für Skepsis. Nach langen Verhandlungen und größtmöglicher Geduld aller Beteiligten landete am Ende jedoch jeder einzelne Sack im Laderaum der AVONTUUR.
Und auch die Besatzung der AVONTUUR musste Corona-bedingt einiges mitmachen: So wurde etwa in der Karibik eine andere Insel als vorgesehen angesteuert, um einen nötigen Crewwechsel zu gewährleisten, den Einreisebestimmungen andernorts nicht zugelassen hatten. Darüber hinaus konnten sich die Klimasegler:innen auch nicht in allen auf der Reise gemachten Stopps vor Ort in den Häfen frei bewegen. Dennoch haben sich seit Oktober vergangenen Jahres insgesamt 36 mutige Berufsseeleute und ambitionierte Laien aus neun verschiedenen Nationen wie Kanada, Schweden oder Polen gemeinsam auf den Seeweg gemacht, um das Projekt „Mission Zero“ um den Frachtsegler AVONTUUR tatkräftig zu unterstützen.