der Warenkorb ist leer

Summe: 0,00 €

Interview mit Eduardo Beltrán Caceres

(42 Jahre) dem Koordinator von Combrifol. Die Kooperative wurde am 20. Mai 2004 gegründet und arbeitet mit vier Gemeinden im Grenzgebiet von Honduras und El Salvador zusammen. Der Kaffee wird von dort nach Marcala transportiert, weiterverarbeitet und zum Export vorbereitet.

 

Combrifol und der Name Eduardo Caceres sind kaum voneinander zu trennen. Wie kam es zur Gründung der Kooperative 2004?

Ich heiße Eduardo Cáceres, bin Geschäftsführer von Combrifol und arbeite seit der Gründung am 20. Mai 2004 für die Genossenschaft. Die heißt mit ganzen Namen Cooperativa Mixta Regional „Brisas de la Frontera“ und ist aus einem kirchlichen Entwicklungsprojekt hervorgegangen, das von der katholischen Sozialdienst der Gemeinde in Marcala ausging. Für den Sozialdienst habe ich in einem Agrarentwicklungsprojekt gearbeitet und aus dem ist dann Combrifol hervorgegangen. Der zentrale Sitz befindet sich in Marcala und wir haben vier Ableger in den vier Gemeinden: in Nahuaterique, Santa Elena, Yarula sowie Marcala.

Wie kam es dazu gerade mit den abgelegenen Gemeinden nahe der Grenze von El Salvador zu arbeiten – quasi im Niemandsland?

Die Geschichte beginnt quasi Ende der 1990er Jahre als die Region von Nahuaterique Honduras zugeschlagen wurde. Damals begann die katholische Kirche der Region zu helfen, die von beiden Seiten nicht gerade mit Aufmerksamkeit überschüttet worden war. Damals entstanden die ersten Agrarprojekte, die ersten Gruppen, die gemeinsam zu arbeiten begannen und das ist letztlich die Keimzelle von Combrifol.

Auch ein Grund dafür, dass es bei Combrifol nicht nur um Kaffee geht?

Ja, unsere Mitglieder produzieren auch Honig, züchten Fische, bauen Nahrungsmittel wie Mais und Bohnen an, produzieren Obst, aber der Kaffee ist es, der in erster Linie für die Einnahmen sorgt. Den exportieren wir direkt nach Deutschland - an die Mitka.

Wo liegen die grundsätzlichen Probleme der Region?

Die Region ist von den staatlichen Institutionen weitgehend vergessen worden. Die Infrastruktur ist schlecht, staatliche Einrichtungen sind nur rudimentär vorhanden und Hilfsprogramme gibt es nur selten. In den kleinen Städten gibt es zwar Schulen und elektrische Energie, aber in den Gemeinden leider nicht. 50% unserer Mitglieder leben ohne einen Stromanschluss und in vielen Gemeinden fehlt eine weiterführende Schule. Zudem gibt es kaum Programme für die lokale Entwicklung und auch die Infrastruktur ist ein wirkliches Problem. Wir haben zum Beispiel massive Probleme mit dem Transport des Kaffees und in der Regenzeit ist die Straße nicht befahrbar.

Wie viele Leute arbeiten für Combrifol und gibt es einen Agrartechniker, der die Mitglieder berät?

Wir sind zur viert: José Francisco Martínez ist für den Beneficio Humedo zuständig, wo der Kaffee geschält, getrocknet und gelagert wird. Jorge Alberto Rivas Hernández, ist der Techniker, der für die Agrarberatung zuständig ist, Delia Armida Nicolas ist für die Verwaltung und die Buchführung zuständig und ich bin der Geschäftsführer. Hinzu kommen lokale Ansprechpartner, die ihre Kenntnisse weitergeben und uns unterstützen.

Waren zu Beginn mehr Gruppen aus mehr Gemeinden vertreten und wie steht Combrifol heute da?

Wir sind mit rund siebenhundert Produzenten gestartet, es gab deutlich mehr Gruppen als das heute der Fall ist. Die Gründung der Genossenschaft wurde von rund dreißig Genossen auf einer Versammlung beschlossen und dort erfolgte auch die Namensgebung – weil das Gros der Mitglieder direkt an der Grenze lebt.

Wie viele Mitglieder hat Combrifol heute?

Heute sind wir 230 Genossen, wovon aber nicht alle aktiv sind und ihre Beiträge zahlen. Derzeit sind es 130 aktive und wir unterscheiden in aktive und passive je nachdem ob der oder die Genossin ihre Beiträge von 504 Lempiras (umgerechnet 18.- Euro) pro Jahr bezahlt hat oder nicht.

Wo liegen die Schwerpunkte in der Organisationsarbeit?

Wir fördern den Nachwuchs, arbeiten mit den Jugendlichen und den Frauen. Hier findet heute zum Beispiel ein Workshop mit Jugendlichen statt und wir bieten auch Stipendien für eine Ausbildung an. Im Handwerksbereich zum Beispiel, aber auch darüber hinaus. Wir müssen mehr Perspektiven für den Nachwuchs kreieren – Migration ist keine Lösung. Dabei sind die Stipendien, die von unseren Partnern aus Heidelberg finanziert werden, eine gute Option. Unsere Partner vom „Heidelberger Partnerschaftskaffee“ finanzieren auch ein Solarprojekt in einer abgelegenen Region an der Grenze. Davon werden fünf Produzenten profitieren – oben in El Mono, wo wir gestern gemeinsam waren.

Wie viel Kaffee produzieren die Genossen von Combrifol?

Das Produktionsvolumen pendelt um die ..... Mit der anlaufenden Ernte in diesem Jahr sollte es steigen, denn es sind neue Flächen hinzugekommen und es sind viele Plantagen erneuert worden. Neue Setzlinge, verschiedene Sorten, die resistenter gegen La Roya, den Kaffeepilz, sind. Wir erwarten eine gute Ernte.

Gestern hatte es auch den Anschein, dass es junge Kaffeebauern gibt, die Spaß daran haben Kaffee anzubauen – Männer wie Frauen. Ich hatte ein Gespräch mit einer 22-jährigen Frau und einem 26-jährigen Mann. Täuscht der Eindruck?

Nein, es ist schon richtig, dass unsere Arbeit Früchte trägt. José de la Paz mit dem Du gesprochen hast ist ein Sohn von Atilio Romero, einem Gründungsmitglied von Combrifol. Er ist zu alt und zu krank, um noch auf die Felder zu gehen. Seine Söhne treten nun in seine Fußstapfen und wir haben sie weiterqualifiziert. Wir arbeiten auch mit alleinerziehenden Frauen, die sich mit dem Kaffeeanbau Perspektiven erschließen können.

Da die Flächen teilweise sehr klein sind, oft unter einem Hektar, wie läuft da die Zertifizierung?

Das ist ein Problem. Erst bei Flächen über einem, besser zwei Hektar, ist das finanzierbar. Derzeit haben wir 42 zertifizierte Mitglieder, der Rest hat keine Zertifizierung, produziert aber oft biologisch. Insgesamt sind etwa die Hälfte der Flächen, die sich in Produktion befinden, zertifiziert. Der Rest soll folgen.

Welche Effekte hat der Klimawandel – ist er spürbar?

Ja, definitiv. In der Anbauzone hat es Verluste aufgrund des Klimawandels gegeben. Der wirkt sich in erster Linie durch zunehmende Trockenheit aus. Einigen Bauern ist der Kaffee am Strauch vertrocknet, auch ganze Kaffeesträucher sind kaputtgegangen – das ist ein Problem, welches zunimmt. Ungefähr 25% der Bauern haben mit Trockenheit zu kämpfen. Ein anderer Effekt ist, das wir in den hohen Lage Kaffeeblüte zur falschen Jahreszeit haben, aber das ist noch kein großes Problem. Aber die Pflanzen haben ihre Orientierungsprobleme mit dem Klimawandel.

Woher kommt Ihre Motivation mit den Kleinbauern zu arbeiten?

Ich komme selbst aus einer armen Familie, habe früh angefangen mit den Gemeinden in dieser Region zu arbeiten und fühle mich ihnen verpflichtet. Ich weiß was Armut ist und mich befriedigt diese Arbeit, es macht Spaß zu sehen wie die Bauern vorankommen.

Was sind die Ziele für die nächsten Jahre?

Wir wollen die Produktion erhöhen, der jüngeren Generation Perspektiven aufzeigen. Dazu gehört auch der Ausbau unserer eigenen Installationen, die wir in den letzten Jahren ausgebaut haben – den Beneficio Humedo. Unser nächstes Ziel ist die eigene Exportlizenz, denn bisher exportieren wir unter dem Dach eines anderen Unternehmens. Das ist nicht optimal. Doch es ist nicht so einfach eine eigene Exportlizenz zu bekommen, denn dafür müssen wir finanzielle Reserven von 20 Millionen Lempiras vorweisen (umgerechnet 800.000 Euro). Das ist die große Hürde. Eine andere Option ist ein Kooperationsabkommen mit einer größeren Genossenschaft wie Comsa. Da haben wir gerade den Kontakt aufgenommen.

 

Interview: Knut Henkel