der Warenkorb ist leer

Summe: 0,00 €

Interview mit Sandra Francisca Valladares Marquez

Kaffeebäuerin aus Sisiguara, Marcala. Sie ist Vizepräsidentin der Junta bei Combrifol (Cooperativa Mixta Brisas de la Forntera) und die Frauenbeauftragte der Genossenschaft.

Als Frauenbeauftragte bei Combrifol sind Sie viel unterwegs – wie viele Frauen sind in der Genossenschaft organisiert?

Derzeit sind 45 Frauen organisiert, die wir geschult und weitergebildet haben. Wir informieren sie über ihre Rechte, über ihre Optionen als Kaffeebäuer*innen und dazu führen wir Veranstaltungen durch. Ein Beispiel am 28. November 2018 haben wir in Santa Elena ein Frauentreffen organisiert. Diese Treffen stehen allen offen, nicht nur den Genoss*innen, sondern auch den Frauen, die Kaffee oder andere Produkte produzieren und Interesse haben sich zu organisieren.

Wie viel Prozent der Mitglieder von Combrifol sind denn Frauen? Sind Sie die einzige Frau im Vorstand?

Im Vorstand sind wir zu fünft und zwei der fünf sind Frauen. Uns fehlt also eine halbe Frau, um paritätisch besetzt zu sein (lacht).

Seit wann sind Sie bei Combrifol organisiert und warum?

Seit 2007. Ich wollte mich organisieren, habe mich im Laufe der Jahre weiter qualifiziert und es ist sicherlich kein Zufall, dass ich heute dem Vorstand angehöre.

Womit haben Sie als Frauenbeauftragte zu tun – was sind klassische Probleme? Honduras ist als eine patriarchale Gesellschaft bekannt.

Wir haben eine sehr patriarchale Kultur in Honduras, wo die Rolle der Frau lange auf das Haus beschränkt war: die Kinder groß ziehen, die Tortillas auf den Tisch bringen, die Wäsche machen und so fort. Sie kennen das, aber dieses Frauenbild wandelt sich. Immer mehr Frauen organisieren sich, bilden sich fort und fordern ihre Rechte ein. Das unterstützen wir und wir haben mehr und mehr Frauen, die unabhängig von ihrem Mann ihr Feld bestellen und Kaffee anbauen.

Schlägt sich das positiv auf das Selbstwertgefühlt und Selbstbewusstsein der Frauen nieder?

Ja, natürlich. Früher hat es die Frauen Überwindung gekostet ihre Stimme in den Versammlungen zu erheben – das ist heute anders. Wir haben uns emanzipiert, halten mit unserer Meinung nicht hinter dem Berg und sind aktiv.

Wie wichtig ist in diesem Kontext das eigene Feld? Wie viele von den 45 Compañeras, den Genoss*innen, haben ein eigenes Feld?

Etwa die Hälfte.

Und nimmt dieser Anteil zu?

Ja, der Anteil steigt und die Frauen werden oft von ihren Familien unterstützt.

Das heißt, dass sich das Bild und die Rolle der Frau in den vier Gemeinden, in denen Combrifol aktiv ist, sich verändert?

Oh ja, die Strukturen ändern sich. Die Frauen sind sichtbarer – auch als Produzent*innen.

Gibt es denn die ersten Frauen, die Erfolg mit ihrem Kaffee haben – zum Beispiel ein Microlote von hoher Qualität erfolgreich verkauft haben? So etwas hätte doch Symbolcharakter, oder?

Wir arbeiten genau daran. Es ist ein Ziel für die kommenden zwei, drei Jahre ein exzellentes Microlote von einer Frau hervorzubringen. Das ist erklärtes Ziel von Combrifol – also der gesamten Genossenschaft. Wir denken auch darüber nach irgendwann einen Kaffee von Frauen für Frauen zu produzieren und anzubieten – hier lokal, aber vielleicht auch bei unseren Kunden im Ausland.

Wo leben Sie persönlich und haben Sie ihr eigenes Feld?

Ich lebe hier in der Nähe der Stadt Marcala, in Sisiguara und ich beginne gerade mein eigenes Feld zu bestellen. Das gehört zwar zur Fläche, die wir als Familie beackern, aber für einen Teil bin ich allein verantwortlich.

Bedeutet das, dass Sie einen Mann haben und ist der auch Genosse von Combrifol?

Ja, einen Mann habe ich, und er ist nicht Mitglied von Combrifol. Im Gegensatz zu meiner ältesten Tochter – sie arbeitet hier auch mit.

Der Region von Marcala scheint es deutlich besser zu gehen als anderen Regionen von Honduras. Was sind die zentralen Probleme aus Ihrer Perspektive?

An erster Stelle ist es die häusliche Gewalt wie im Rest des Landes. Da bieten wir den Frauen Hilfe an, arbeiten mit einer Anwältin zusammen und begleiten die Frauen zu den zuständigen Stellen. Wir haben hier einige Fortschritte gemacht im Vergleich zu anderen Regionen in Honduras. Ein Beispiel ist auch die Polizei, die die Anzeigen von Frauen ernst nimmt und ihre Arbeit macht. Das ist in Honduras keine Selbstverständlichkeit.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass wir vorankommen – mit Combrifol.

 

Interview: Knut Henkel