News aus den Kooperativen

Nicaragua
In Nicaragua lässt sich das Ausmaß der Infektion nach Aussage einiger Kooperativen nur schwer einschätzen. Da es viele nach Costa Rica oder Panama migrierende Arbeiter und somit eine normalerweise rege Wanderbewegung gibt, ist aber davon auszugehen, dass es mehr als die bestätigten wenigen Fälle gibt. Die Angst vor der Epidemie ist groß, denn, so sagt die Geschäftsführerin der Kooperative La Providencia in Wiwilí, es gebe in ihrem Land weder die Voraussetzungen noch verfüge es über Mittel, um mit einer Epidemie fertig zu werden.

Es gibt kaum staatlich verordnete Maßnahmen zur Eindämmung, die meisten Kooperativen haben daher von sich aus Maßnahmen ergriffen.
So hat die Kooperative Miraflor ihre Arbeit auf das Notwendigste – anstehende Exporte und wichtige soziale Projekte – reduziert. Die agrartechnische Beratung auf dem Land wurde ausgesetzt. Den Mitgliedern wird empfohlen, auf den öffentlichen Transport zu verzichten. Alle Sitzungen, Versammlungen oder Treffen in Gruppen wurde abgesagt. Die Arbeit an den Exporten laufe zwar langsamer als sonst, aber es wird alles dafür getan, dass der Kaffee trotz der schwierigen Umstände nach Europa verschifft werden kann. So müssen die notwendigen Dokumente für jeden Container wie eh und je persönlich in den Behörden besorgt werden und ein Vertreter des Instituts für Agrargesundheit muss jede Containerladung vor Abfahrt bei den Kooperativen persönlich inspizieren. Die meisten Schifffahrtsrouten setzen einen Landtransport nach Costa Rica oder Honduras voraus. Der Grenzübertritt ist für Waren noch möglich, aber verlangsamt.

Die Kooperative SOPPEXCCA musste die drei von ihr betriebenen Cafés auf einen Außer-Haus-Verkauf reduzieren. Schulungen und Treffen werden abgesagt, die Arbeit in der Trockenverarbeitungsanlage, in der der Kaffee exportfähig gemacht und abgesackt wird, wird im Zwei-Schicht-Betrieb geleistet, damit nicht zu viele Personen dort arbeiten – was mit höheren Kosten verbunden ist. Die meisten Angestellten arbeiten zuhause. Nützlich seien, so Geschäftsführerin Fátima Ismael, nun die von der Kooperative mit Prämiengeldern aus dem fairen Handel eingerichteten Konsumläden auf dem Land für Grundnahrungsmittel, die in der jetzigen Situation der Spekulation und dem Hamstern vorbeugen können. Die Kooperative hat außerdem eine Hygienekommission etabliert und baut schnelle und zuverlässige Kommunikationswege zu den Mitarbeiter_innen und den Mitgliedern auf, um über Präventionsmöglichkeiten und aktuelle Entwicklungen aufklären zu können. Fátima Ismael appelliert an eine weltweite Solidarität und daran, auch in Zeiten der Pandemie und trotz der zu erwartenden wirtschaftlichen Auswirkungen weiter an einer sozial- und klimagerechten Welt zu arbeiten.

Die Kooperative Tierra Nueva arbeitet gerade fieberhaft daran, nicht nur den ersten Container für die Mitka, sondern auch den Segelkaffee auf den Weg zu bringen. Er muss es von Nicaragua nach Honduras zum Hafen La Ceiba schaffen, um an Bord des Frachtseglers Avontuur genommen werden zu können. Die Verzögerungen durch die COVID-19-Krise, die in der allgemeinen Arbeit und an der Grenze zwischen beiden Ländern spürbar werden, lassen es eine Zitterpartie werden, ob der Segelkaffee La Ceiba rechtzeitig erreicht. Genauso spannend bleibt es, ob und unter welchen Umständen die Avontuur überhaupt in La Ceiba anlanden und Ware aufnehmen darf. Ein anderer Hafen in der Karibik hatte bereits ein Anlegen verweigert. Die vorgesehene Auswechslung eines Teils der Crew wird wahrscheinlich nicht möglich sein.

Honduras
In Honduras herrscht eine strikte Ausgangssperre, aktuell dürfen auch Betriebe nur mit einer sehr kompliziert zu erlangenden Ausnahmegenehmigung verarbeiten. Die Kooperative COMBRIFOL hat das in einem kritischen Moment getroffen: nach vielen Jahren konnten sie dieses Jahr mit den Prämiengeldern aus dem fairen Handel eine eigene Trockenverarbeitungsanlage kaufen. Die Maschinen müssen aus Brasilien importiert werden und hätten im März geliefert werden sollen. Durch die aktuelle Situation ist es völlig offen, wann die Maschinen kommen werden und welche Alternativen es zur Verarbeitung des Kaffees gibt.

Mexico
In Mexico hat die Regierung lange keine Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie getroffen. Im Prinzip ist die Arbeit daher noch ohne Einschränkungen möglich, die Kooperative UPCTIZ und die Exportorganisation CFA sehen jedoch eine soziale Verantwortung, sich selber um die notwendigen Maßnahmen zu kümmern, um die Verbreitung des Virus zu verhindern und dabei vorbildhaft die Ruhe zu bewahren. Dieses sind die Monate, sagt die Leiterin der CFA Verónica López, in denen die Exporte der Kooperativen geschehen und sie können nicht gestoppt werden, weil dies das ökonomische Überleben vieler mexikanischer Familien ungleich komplizierter machen würde.

El Salvador
In El Salvador herrscht Ausgangssperre. Mit einer Bescheinigung des Arbeitsgebers dürfte man zwar zur Arbeit fahren, in der Praxis scheitert das jedoch am mangelnden öffentlichen Transport. Die Angestellten der Kooperative Las Lajas versuchen von zuhause aus, die anstehenden Containerexporte zu managen, verfügen dort jedoch weder über Internet noch Computer. Die Verschiffung setzt einen Transport auf dem Landweg zum Hafen in Guatemala voraus, der zurzeit nur mit Verzögerungen zu bewerkstelligen ist. Büros und Behörden sind geschlossen bzw. arbeiten von zuhause aus, so dass die für die Verschiffungen notwendigen Dokumente kaum zu beschaffen sind.
Über 60-Jährige dürfen das Haus gar nicht verlassen. Da sich viele Kooperativenmitglieder in diesem Alter befinden, können die Kaffeefelder nicht mehr gepflegt werden.
Die Ferienanlage Lajamaya, die der Kooperative einige Arbeitsplätze und Einnahmen verschafft, musste geschlossen werden - besonders bitter, weil in El Salvador die Osterzeit die wichtigste Feriensaison ist.

Guatemala
Am Atitlán-See, wo die Kooperative La Voz que clama en el desierto ihren Sitz hat, gibt es noch keinen Fall von COVID-19. Durch den bis vor Kurzem dort regen Tourismus kann jedoch mit einer Dunkelziffer gerechnet werden. Die Kooperative musste  Anfang März ihre beiden Cafés schließen, da es weder einheimische noch internationale Besucher_innen mehr gab. Auch die Coffee Tours, Führungen durch die Kaffeeverarbeitungen, die zum Einkommen der Kooperative beitragen, können nicht mehr veranstaltet werden. Die Kooperativenmitglieder schauen mit Sorge auf die Situation in Europa, denn sie wissen, dass bei einer ähnlich hohen Verbreitung in Guatemala das Gesundheitssystem noch viel schneller an seine Grenzen stoßen würde. Der Geschäftsführer der Kooperative, Andrés Isaías Cotuc, geht davon aus, dass die Situation zu Rückständigkeit und mehr Armut führen und die Kooperative vor große Herausforderungen stellen wird.
Es gibt eine Ausgangssperre zwischen 16 h und 4 h. Die Häfen und Institutionen haben ihre Arbeitszeiten verkürzt, damit die Arbeiter_innen rechtzeitig nach Hause kommen.