Unterstützung

Wirtschaft von unten, oder: ein Versuch, der kapitalistischen Wirtschaftslogik eine Alternative entgegenzusetzen

Den Verein el rojito e.V. gibt es nun schon seit über 30 Jahren und er schaut auf eine bewegte Geschichte zurück. Ihren Anfang nahm diese 1987 in der Solidaritätsbewegung mit Nicaragua. Das Ziel war damals, durch die Unterstützung der sandinistischen Bewegung sowie ländlicher und demokratischer Strukturen an der Befreiung von der Interventionspolitik der USA mitzuwirken. Zu dieser Zeit bildete der Kaffeehandel nur einen Teil des Tätigkeitsspektrums el rojitos, das auch die Organisation von Brigaden und Veranstaltungen umfasste. Heute hat die unter Daniel Ortega und Rosario Murillo in Nicaragua erneut regierende Sandinistische Partei FSLN einen Weg eingeschlagen, von dem sich el rojito e.V. klar distanziert. Nichtsdestotrotz entspricht der Kaffeehandel mit kleinbäuerlichen Kooperativen nach wie vor den ursprünglichen Idealen el rojitos, und wurde deshalb mittlerweile von Nicaragua auch auf weitere Länder Mittelamerikas ausgeweitet. Heute besteht el rojito aus einem Team von ca. 30 Kolleg*innen und vertreibt jährlich rund 100 t gerösteten Kaffee, der über Direktvertrieb, Bioläden, Supermärkte und über den eigenen Cafébetrieb in der Großen Brunnenstraße verkauft wird.

Kaffeehandel mit kleinbäuerlichen Kooperativen: Eine Alternative zu profitorientierten Handelsformen

Ziel des Handels mit kleinbäuerlichen Kooperativen ist die langfristige Absicherung der Lebensgrundlage möglichst vieler Produzent*innen und ihrer Familien. Dies ist trotz vieler globaler Veränderungen heute noch mindestens genauso wichtig wie damals zu den Gründungszeiten el rojitos. Denn zu den Herausforderungen der unsteten Weltmarktpreise und Absatzmärkte sind ökologische Probleme hinzugekommen: Plagen und massive Auswirkungen der Klimakrise erschweren die Produktion.

Die Selbstorganisation in basisdemokratischen Kooperativen ermöglicht es den Produzent*innen, ihre Autonomie zu bewahren, den ökonomischen und ökologischen Herausforderungen gemeinsam zu begegnen und unabhängiger von großen Konzernen und Banken zu sein. Die Kooperativen, mit denen el rojito seinen Kaffeehandel betreibt, haben zwischen 50 und 700 Mitglieder. Je nach Größe und geographischer Lage stehen sie vor unterschiedlichen Aufgaben: Während manche ihre Produktion auf Kakao, Honig oder Kardamom ausweiten, um weniger abhängig vom Kaffee zu sein, setzen andere ein Programm zur Erneuerung der Kaffeepflanzen ihrer Mitglieder um, statten deren Kinder mit Schulbüchern aus oder richten eine Gesundheitsstation ein. All dies ist möglich, weil der von el rojito gezahlte Preis sogenannte Sozial- oder Kooperativenprämien enthält, die nicht an die Produzent*innen ausgezahlt werden, sondern der Gemeinschaft zugute kommen.

Kooperation statt Konkurrenz: Zusammenschluss mit anderen Kaffeehändlern

Dieses Preismodell, auf dessen Basis der Kaffeehandel heute steht, war allerdings keine alleinige Idee el rojitos. Es entstand im Rahmen eines Zusammenschlusses verschiedener Kaffeeimporteure des Fairen/Solidarischen Handels, der MITKA. Diese Kooperation ermöglicht es el rojito, seine politischen Ansätze gemeinsam mit anderen Kaffeehändlern sowie mit den Kooperativen selbst in ein Preis- und Handelsmodell zu übersetzen. Dabei werden die gegenwärtigen Handelspraktiken stetig hinterfragt und weiterentwickelt. Denn sie sind zwar deutlich günstiger für die Produzent*innen als im konventionellen und auch im regulären Fairen Handel, können ihnen allerdings trotzdem nicht immer die Sicherheit bieten, die für sie wünschenswert wäre. Deshalb sind auch in diesem und im nächsten Jahr wieder mehrere persönliche Treffen mit Kaffeeproduzent*innen geplant, bei denen erarbeitet werden soll, wie die Lebenshaltungs- und Produktionskosten in Zukunft noch besser im Kaffeepreis abgebildet werden können.

Breite Unterstützung durch Konsument*innen und Förder*innen: Eine Garantie für die Unabhängigkeit

Um den Kaffeeabsatz für die Kooperativen seit 30 Jahren stetig zu steigern, hat el rojito seit seiner Gründung unterschiedliche Modelle für die interne Organisationsstruktur und verschiedene Verkaufsstrategien erprobt. Manche haben bis heute Bestand, andere wurden mittlerweile professionalisiert oder abgelöst. Ein wichtiges Standbein jedoch, das seit Anbeginn besteht und auf das el rojito bis heute baut, ist sein Darlehensmodell. Mehr als 140 Menschen überlassen el rojito aktuell kleinere oder größere Darlehen, die auch verzinst werden können, und tragen damit dazu bei, den solidarischen Kaffeehandel weiter zu ermöglichen. Denn nur so kann el rojito die im Fairen Handel üblichen Vorfinanzierungen des Kaffees an die Kooperativen leisten. Denn auch dies ist ein Teil des solidarischen Handelsprinzips: die Zusammenarbeit soll sowohl für el rojito als auch für die Handelspartner*innen in Mittelamerika möglichst ohne die Banken funktionieren.

Wer sich weiter über den solidarischen Kaffeehandel informieren möchte oder el rojito mit Darlehen unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen, sich an uns wenden.

 

Informationen zu Darlehen und Konditionen