UCPCO in Abwicklung

Lage
Gebiet von San Juan de Rio Coco

Größe
350 Mitglieder mit eigenem Landtitel, davon 130 Frauen

Gründung
1993  

Das Ende
Der Kooperativenverband UCPCO befindet sich derzeit in der Abwicklung. Wir haben im Jahr 2016 das letzte Mal Kaffee direkt von ihnen geliefert bekommen. Damit hatten wir mehr Glück als andere Händler, die trotz Vorfinanzierung nichts geliefert bekommen haben. Wir haben in den letzten Jahren schon mit Sorge die Entwicklungen bei der UCPCO betrachtet: Durch die Spekulation auf hohe Verkaufsmengen und nicht eingehaltene Lieferungen ist eine Situation entstanden, aus der es am Ende keinen Ausweg mehr gab. Die ehemaligen Mitglieder haben sich entweder anderen Kooperativen angeschlossen oder versuchen nun, als Basiskooperativen ihren Kaffee direkt zu vermarkten. Mit zwei dieser Kooperativen arbeiten wir jetzt direkt zusammen: der Pablo Velazquez und der Reynerio Tijerino. Bei der Vermarktung werden sie von PRODECOOP unterstützt. Prodecoop ist ein großer Kooperativenverband mit eigener Verarbeitungsanlage, der auch schon UCPCO in den letzten Jahren ausgeholfen hat.

Kaffeeanbau

  • Arabica von herausragender Qualität auf 1000 bis 1500m ü.M.
  • Nach kontrolliert biologischen Anbaumethoden

 
UCPCO ist die Abkürzung für Unión de Cooperativas Multifuncionales Productoras de Café Orgánico, was sich mit Vereinigung der Bio-Kaffee produzierenden Genossenschaften übersetzen lässt. Die 1993 gegründete Kleinbauernkooperative liegt recht abgelegen im Norden Nicaraguas in San Juan de Río Coco (Departement Madríz). Diese Region ist nach Matagalpa/Jinotega das zweitwichtigste Kaffeeanbaugebiet des Landes. Die Kaffeepflanzungen liegen in einer Höhe zwischen 1000 und 1500 Metern ü. M. Der dort geerntete Kaffee ist von herausragender Qualität. Heute organisiert UCPCO in sechs Basiskooperativen 350 Bauern. 135 der Mitglieder sind Frauen. Anders als in vielen anderen Kooperativen kommt es hier häufiger vor, dass nicht nur der Mann als Familienvorstand, sondern auch die Frau über einen eigenen Landtitel verfügt. Die Frauen von UCPCO haben 2007 eine Frauengruppe gegründet, um auf die unterschiedliche Situation der Frauen einzugehen. So günstig die natürlichen Bedingungen in den Bergen um San Juan de Río Coco für den Kaffeeanbau sind, so benachteiligt ist die Region in infrastruktureller Hinsicht. Der Weg zu UCPCO führt mehrere Stunden lang über desolate Schotterstraßen. Telefon- und Internetanschluss gibt es erst seit Kurzem und die Leitungen fallen häufig aus. Die direkte Kommunikation mit den Handelspartnern im Ausland wird daher von der nächstgelegenen Stadt aus geführt. Bis 1990 war die Region eines der am härtesten vom Terror der so genannten Contras betroffenen Gebiete. Sie legten mit ihren Überfällen die Landwirtschaft über Jahre hinweg lahm und konnten damit die Revolution der Sandinisten wirtschaftlich und moralisch schwächen. Allein die Reaktivierung der vernachlässigten Kaffeepflanzungen mit ihren zum Teil überalterten Bäumen nach dem Ende der Angriffe durch die Contra war ein gewaltiger Kraftakt. Der öffentliche Gesundheits- und Bildungssektor war in den vergangenen fünfzehn Jahren stark vernachlässigt worden. Daher wird der durch den fairen Handel erzielte Mehrpreis unter anderem für den Schulbesuch der Kinder von UCPCO verwendet. Weiterführende Schulen befinden sich nur in San Juan de Río Coco oder im weiter gelegenen Estelí, wodurch Kosten für Fahrt, Unterbringung und Verpflegung entstehen. UCPCO bemüht sich im Übrigen intensiv darum, einigen Jugendlichen Stipendien für eine Universitätsausbildung (in der Regel im Ausland) zu verschaffen. 2 % ihrer Einnahmen stellen alle Mitglieder ihrer jeweiligen Basiskooperative zur Verfügung, die davon einen Fonds für soziale Härtefälle unterhält. UCPCO besitzt eine eigene Trockenverarbeitungsanlage. Hier wird der von den KaffeeproduzentInnen abgelieferte "café pergamino" bis zum exportfertigen "café oro" weiterverarbeitet, eine wichtige Voraussetzung für die selbstständige internationale Vermarktung des Rohkaffees durch die Genossenschaft, die sich damit von den lokalen Zwischenhändlern unabhängig machen kann. Alle ProduzentInnen besuchen Schulungen in der Anlage. Viele von ihnen erleben dabei erstmals eine professionelle Verkostung des selbst angebauten Kaffees. UCPCO ist eine Bäuer_innen-Genossenschaft im wahren Sinne des Wortes: Alle, die hier Verantwortung übernommen haben, kommen aus den Familien der Bäuer_innen. Aus der neuen Generation haben einige inzwischen ein wirtschafts- oder agrarwissenschaftliches Studium abgeschlossen und bringen neue Ideen in die Kooperative ein. Besonderes Augenmerk wird dabei auf den Schutz der Wasserressourcen und die Qualitätsverbesserung gerichtet.