el rojito Blog

In diesem Blog schreiben einzelne elr@s zu Themen aus der Welt des solidarischen Handels.

Reisebericht 2016 #17

Heute mussten wir noch mal früh aufstehen, da wir um 8:00 Uhr ein Treffen mit der UCA Miraflor hatten. Das Frühstück war dementsprechend sehr kurz.

Unsere Töchter bleiben im Hotel und machen später noch eine kleine Tour durch die Stadt. Wir holen die Camionetta aus der Garage und fahren zum neuen Büro der Miraflor. Kurz nach uns kommt Angelika Sülow mit dem Fahrrad, die die Kooperative lange Jahr beraten hat und nun selber Socia ist und obendrein Vocal der Leitung. Schon anwesend ist Johardi, der auch am Taller in Managua teilgenommen hat. Noch etwas später kommt Sylvia, die Präsidentin der Kooperative, die auch geschäftsführende Aufgabe hat. Auch sie hat am Taller in Managua teilgenommen. An unserem Treffen nimmt auch Ali, der Vizepräsident, teil, der uns bei unserem Besuch vor zwei Jahren in die Berge begleitet hat. Der Kaffee, den wir bekommen haben, ist ausgezeichnet.

Es geht um das Projekt des Schulkaffees der Gesamtschule Blankenese, den Blinkfair, den wir für die Schule importieren. Außerdem geht es um die Möglichkeiten eines Verkaufs von Kaffee an die MITKA, jetzt, wo sie wieder Biokaffee haben. Der Vorgänger von Sylvia hat die Biozertifizierung der UCA aufgegeben, was bei den Bioproduzent_innen nicht gut angekommen ist. Ab der nächsten Ernte ist der Kaffee aber wieder zertifiziert.

Ein weiteres uns wichtiges Thema ist die Situation der Guardabarranco. Wir erkundigen uns bei Ihnen, ob es Möglichkeiten für sie geben würde, sich als Basiskooperative der UCA Miraflor anzuschließen. Einfach ist dies nicht, aber es ist auch nicht ausgeschlossen, sie müssen es aber wollen und sich mit ihnen zusammensetzen.

Um halb 10 müssen wir uns dann schon verabschieden, da wir um 11 noch einen Termin in der Verwaltung der PRODECOOP haben. Hier geht es auch in erster Linie um die Situation der Guardabarranco, da die PRODECOOP in diesem wie in den vorausgehenden Jahren die Exportabwicklung für die Guardabarranco gemacht hat. Wir besprechen die Situation dieses Jahres und die Möglichkeiten für das nächste Jahr. Auch hier erkundign wir uns, ob es eine Möglichkeit sein könnte, wenn sich die Basiskooperative in die UCA PRODECOOP integriert. Auch hier ist dies nicht unmöglich, aber noch schwieriger als bei der UCA Miraflor. Eine Möglichkeit könnte es aber sein, wenn sich die einzelnen Soci@s einer Basiskooperative anschließen. Auch hier ist unsere Frage nur aus eigenem Interesse gestellt, um eine Vorstellung zu bekommen, welche Möglichkeiten die Guardabarranco hat. Die Mitglieder der Guardabarranco müssen in den nächsten Wochen schauen, wie sie wohin weiter gehen wollen.

Um 11 holen wir unsere Töchter im Hotel ab. Nach einem kurzen Stop zum Mittagessen kommen wir um kurz vor 2 am etwa 15 Kilometer vor Boaco gelegenen Beneficio der Tierra Nueva vorbei. Magdiela, die Leiterin des Beneficios, macht einen sehr schnellen Rundgang mit uns durch die Trockenverarbeitungsanlage. Vor unserer Weiterfahrt sehen wir oben im Labor Daisy, die Catadora, die vor zwei Jahren neu angefangen hat. Rita, von der Daisy damals das Cupping gelernt hat, ist mittlerweile verheiratet und ihr Mann wollte nicht, dass sie weiter im Beneficio arbeitet. Magdiela sagt uns, dass Pedro, der Geschäftsführer der Kooperative, uns seit längerem in Boaco erwartet.

Als wir im Büro der Tierra Nueva ankommen, das wir erstaunlich schnell mit nur einmal Fragen finden, begrüßt uns Ramon, der für die diversen Zertifizierungen der Kooperative zuständig ist. Pedro ist mittlerweile aufs Land gefahren, da er schon seit dem Morgen auf uns wartet – hier gab es wohl ein Kommunikationsproblem, denn wir hatten geschrieben, dass wir erst Mittags aus Estelí kommend eintreffen würden. Nach einer Tasse Kaffee und einem Blick in den Fernseher, in dem uns die über dem mexikanischen Tuxcla Gutierrez kreisenden Hubschrauber und die aufgeregte Stimme der Kommentatorin zunächst an ein schlimmes Unglück glauben lassen, dabei handelt es sich nur um den Besuch des Papstes, holt uns Luis, der für den Aufkauf des Kaffees von den Soci@s zuständig ist, ab, um mit uns zu der Basiskooperative in Boaco Viejo zu fahren, zu der Pedro bereits aufgebrochen früher aufgebrochen ist. Nach einer Vorstellungsrunde ist das Hauptthema der Preis, den es kostet, den Kaffee zu produzieren. Pedro erwähnt, dass dieses Thema ja auch schon bei dem Taller in Managua zentral gewesen sei. Die Soci@s berichten uns, dass sie überall mit steigenden Preisen konfrontiert sind. Nur beim Verkauf sinken die Preise. Bei dem Versuch, die Produktionskosten zu erfahren, gibt es einige Missverständnisse in der Berechnung, letztendlich ergibt sich aber ein ähnliches Bild wie bei Soppexcca. Es zeigt sich aber wieder einmal, dass es gut wäre, ein einheitliches und klares Schema für die Berechnung der Kosten eines Quintal Kaffees in Exportqualität zu haben. Wir stellen kurz das Modell der WFTO vor, in dem die Produktionskosten unter anderem anhand der Kosten des Warenkorbs, der durchschnittlichen Familiengröße und des Arbeitseinsatzes für das Endprodukt berechnet werden. Es gibt eine kurze Diskussion, an der sich alle rege beteiligen.

Angesprochen werden auch noch die hohen Straßenpreise. Ein Grund für den hohen Preis, der bei der direkten Abnahme gezahlt wird, sehen sie in dem Vertrag mit Venezuela, den die Nicaraguanische Regierung abgeschlossen hat, um an Devisen zu gelangen und durch den der Bedarf an Kaffee durch die großen Aufkäufer stark gestiegen ist. Diese kaufen auf der Straße alles, selbst schlechteste Qualität und Biokaffee verliert bei dem Verkauf an den Zwischenhändler seine Zertifizierung.

Nach dem Treffen fahren wir in der Dämmerung zurück nach Boaco und checken ein im Hotel Tijerino, das noch ganz neu und ziemlich nobel ist. Es gehört einem ehemaligen Socio der Tierra Nueva, der überraschenderweise geerbt hat und nun das Hotel hat (in dem es nicht den Kaffee der Kooperative gibt) und drei Tankstellen (an denen der Kaffee der Kooperative verkauft wird), einiges an Land sowie viel Geld auf dem Konto.

Nach einer halben Stunde holt uns Pedro ab und wir laufen durch die 56.000-Einwohner_innen-Stadt und gehen im Los Alpes Abendessen. Dabei erfahren wir noch noch einiges über die Kooperative und reden auch noch eimal über die Guardabarranco – die Leute von den verschiedenen Kooperativen in Nicaragua kennen sich alle untereinander und helfen sich viel aus und betrachten sich viel weniger als Konkurrenten denn als Partner.

Wir laufen zum Hotel zurück und beschließen dem Abend mit einem Schluck Rum auf der Dachterasse.


16 Februar, 2016 - 06:08 - m.kersting